"Ich hab eine Freude"

25. Februar 2005, 20:08
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Die Künstlerin Xenia Hausner porträtierte Bundespräsident Heinz Fischer - Das Kunstwerk wurde im Parlament enthüllt

Das Bild, das Fischer in seiner Funktion als Nationalratspräsident darstellt, reiht sich damit in eine langjährige Tradition und eine lange Reihe von Porträts ein. Davon abgesehen überwiegt an diesem Werk jedoch das Unkonventionelle: Erstmals wurde eine Frau mit dieser ehrenvollen Aufgabe betraut, die renommierte Künstlerin Xenia Hausner, die dem Parlament in ihrer kurzen Rede wünscht, dass in Zukunft weitere eigenwillige und ungehorsame KünstlerInnen die Vorgaben des Auftraggebers ignorieren werden. Die Enthüllung selbst im kleinen Rahmen geladener Gäste wurde mit tosendem Applaus bedacht, skeptische Kommentare hörte man nur im Hintergrund.

Die 2. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer äußert sich zurückhaltend positiv, "es gefällt mir, es geht ja nicht darum, dass ich ihn punktgenau wiedererkennen muss, aber es ist wirklich gelungen." Heide Schmidt, als ehemalige LIF-Chefin mit den Räumlichkeiten mehr als vertraut und heute Leiterin des Instituts für eine offene Gesellschaft, hält es für ein wichtiges Signal, dass eine Frau beauftragt wurde: "Die Art der Darstellung ist auch für den Rahmen hier sehr geeignet, und ich freue mich, dass es eine Frau ist, dass es Xenia Hausner, eine Künstlerin ersten Ranges, deren Malerei ich sehr liebe, und dass sie ein Bild geschaffen hat, das ins Auge springt, weil es keinen fotografischen Charakter hat, sondern weil es die Wesensart im Gesicht hervorhebt und die Person Heinz Fischer erfasst, und weil es auch republikanischer ist als alle anderen Porträts in diesem Raum."

Der Direktor des niederösterreichischen Landesmuseums Carl Aigner freut sich ebenfalls über den ersten weiblichen Beitrag, "das ist etwas ganz Wichtiges und etwas, das wirklich schon längst überfällig war, grundsätzlich, und Xenia Hausner war natürlich eine sehr glückliche Entscheidung." Auch eine der wichtigsten österreichischen Künstlerinnen der Gegenwart, Valie Export, ist begeistert. Sie hebt neben der kunstgeschichtlichen Bedeutung des Werks, das sie an Kokoschka und Mondrian erinnert, vor allem die menschliche Darstellung von Heinz Fischer hervor, ein entscheidendes Charakteristikum der Malerei von Xenia Hausner. Ihre Porträts entstehen in zahlreichen Sitzungen (im Falle des Bundespräsidenten wählte sie übrigens des Lichts wegen den Vorraum des Polizeiwachzimmers der Hofburg als Arbeitsplatz), wobei die Erfahrung des Gegenübers, auch dessen Nähe und die Zwiesprache zwischen Malerin und Modell zustande kommt. Die Individualität und Menschlichkeit des Werkes hebt es indes auch deutlich von restlichen Stücken der parlamentarischen Porträtsammlung ab.

"Es ist natürlich ein Porträt, das eine ganz andere Ära einläutet, hoffentlich. Es ist persönlich im Ausdruck, es hat nicht mehr dieses dominierende Sitzende, das man von den ganzen Kaiser- und Königshäusern kennt, sondern es ist ein nahes Porträt, der Mensch, der dort drauf ist, der spricht auch an, der ist wie in einem Dialog zu dem/der BetrachterIn," resümiert Valie Export.

Am Vorabend des internationalen Frauentags tut sich also was hinsichtlich Gleichberechtigung, auch und sogar in den alt-ehrwürdigen Hallen des Parlaments. Bleibt zu hoffen, dass irgendwann in naher Zukunft auch einmal eine Frau für das Porträt der Nationalratspräsidentin Modell sitzen darf.

Von Gastautorin Martina Handler

Homepage Xenia Hausner
  • Xenia Hausner
    foto: ingo
    Xenia Hausner
  • Künstlerin, Bundespräsident und das fertige Kunstwerk.
    foto: ingo
    Künstlerin, Bundespräsident und das fertige Kunstwerk.
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