Wollen zahlen dürfen

5. April 2005, 20:58
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Robert Seeger, der Mann mit der Calimero-Frisur, spricht uns weniger aus der Seele als aus dem Meniskus ...

Seit wir dank der Geistesgegenwärtigkeit des ORF der dringendsten Sorge überhoben sind, Fußballspiele heimischer Spitzenclubs – ein Oxymoron! – im Fernsehen auch tatsächlich ansehen zu können, wandert das Gelüst, sich mit der Volksseele kraft ihrer Begeisterung für Ballspiele in ein Einvernehmen zu setzen, in entlegenere Regionen ab.

ORF-Sport handelt von der Kommunikation mit Nervenbahnen. Und die zucken im Schnee. Robert Seeger, der Mann mit dem Norwegerpullover und der Calimero-Frisur, spricht uns weniger aus der Seele als aus dem Meniskus. Er weiß keine Zwischenzeit richtig zu deuten, feiert mit den Österreichern aber Siege, selbst wenn diese (noch) nicht abgemacht sind. Er ist die Beckett-Figur unter den Kommentatoren: Er schwelgt wie Krapp ("Das letzte Band") in dem schlüsselerotischen Wort "Spuuu-le". Nur ruft er: "Der/die ... (Namen einzusetzen) wird uns noch viel Freude bereiten!" Und dann tönt’s: "Gar keine Frage!"

Gar keine Frage – nirgends. Premiere überträgt Fußballspiele, von deren Mitwirkenden Frank Stronach noch nie ein Wort gehört hat – die Lohnsklaven der Sportmedienarenen sind das beliebige Personal des modernen Bezahlfernsehens. Bleibt nur Bela Rethy im ZDF. Aber wer möchte schon Schalke 04 gegen Schachtor Donezk knapp scheitern sehen? (poh/DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.2.2005)

  • Robert Seeger
    foto: orf

    Robert Seeger

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