Erlebnisorientiert: Technisches Museum

28. Februar 2005, 19:57
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Museumspädagogik setzt auf Alltagstauglichkeit

Wien - "Ein Erlebnismuseum für die ganze Familie" zu schaffen, plante die Direktorin Gabriele Zuna-Kratky bei ihrem Amtsantritt im Jänner 2000 im Technischen Museum. Das Museum bietet seinen Besuchern auf einer Fläche von 22.345 Quadratmetern die Möglichkeit, Zeugen spannender technischer Entwicklungen bis in die unmittelbare Gegenwart zu werden. Das persönliche Erlebnis jedes einzelnen steht dabei im Mittelpunkt; multimediale Präsentationen ermöglichen individuelle Zugänge. Wie eng Technik mit Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur verbunden ist, zeigen Texte, Filme und Experimente. Die Besucher - 2004 waren es genau 282.861 - werden aktiv in die Präsentationen mit einbezogen.

Partnerschaft mit der Wirtschaft

1999 wurde das neurenovierte Museum nach siebenjähriger Schließzeit wieder eröffnet. Gabriele Zuna-Kratky , die als Geschäftsführerin auf Peter Donhauser folgte, kündigte an, das Museum als "offenes Haus, wo sich möglichst viele Menschen einbringen" führen zu wollen. Als Schwerpunkte ihrer Arbeit nannte sie eine auf Zielgruppen ausgerichtete moderne Museumspädagogik. Für das Haus, das seit dem Umbaubeginn zahlreiche Direktoren kommen und gehen gesehen hatte, bedeutete Zuna-Kratkys Berufung eine Stabilisierung, die es für seine gleichzeitige Entlassung in die Vollrechtsfähigkeit auch notwendig hatte. Durch intensive Partnerschaft mit der Wirtschaft versucht das Museum, eines der größten technischen Museen Europas, auch neueste Trends und Entwicklungen in der Forschung aufzuarbeiten.

Langer Dornröschenschlaf

Der Grundstock für die Sammlungen war bereits 1807 mit dem National-Fabriksprodukten-Kabinett gelegt worden. Im Zuge der Vorbereitungen für das 60-Jahre-Jubiläum des Regierungsantrittes Kaiser Franz Josephs im Jahr 1908 entschloss man sich, ein "Technisches Museum für Industrie und Gewerbe" zu gründen. Die Grundsteinlegung des Gebäudes erfolgte 1909 durch den Kaiser, die Eröffnung des Museums 1918. Ursprünglich von einem Verein getragen wurde das Museum 1922 verstaatlicht. Ein längst überholtes Konzept blieb lange in vielen Abteilungen unangetastet. Das Gebäude verlor im Laufe der achtziger Jahre so an Substanz, dass eine Generalsanierung nicht mehr aufzuschieben war. 1992 wurde das Haus geschlossen und für die Umbauarbeiten vollständig geräumt.

Die seit 2003 laufende Dauerausstellung "Medienwelten" passt sich in die neue Museumspädagogik ein: Bei der Präsentation der Mediengeschichte im Überblick wird auf ein innovatives Ausstellungssystem gesetzt. Den Besuchern werden auf 2.500 Quadratmetern mit 700 Exponaten und zahlreichen interaktiven Terminals Medientechnologie, Kommunikationsvernetzung und deren gesellschaftspolitische Aspekte näher gebracht. Seit 2000 steht den drei- bis sechsjährigen Besuchern des "Erlebnismuseums" ein eigener Erlebnisbereich von 110 Quadratmetern zur Verfügung. Dem Technischen Museum ist die Österreichische Mediathek in der Gumpendorfer Straße als Außenstelle angegliedert. Das audiovisuelles Archiv enthält eine Million Tonaufnahmen und Videos zur österreichischen Kultur- und Zeitgeschichte. Auch das Eisenbahn Museum Strasshof wird als Expositur betrieben. (APA)

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