Syrien will direkte Gespräche mit den USA

28. Februar 2005, 15:46
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Präsident Assad beklagt Dialogverweigerung

Ankara - Nach zuletzt immer stärker angewachsenem Druck auf Land ging der syrische Präsident Bashar Assad am Freitag in die Offensive und sprach sich für direkte Gespräche mit den USA aus. Assad warf Washington in einem Interview aber zugleich vor, seine Nahost-Politik einseitig an den eigenen Interessen auszurichten. Unterdessen traf in Beirut ein Team der Vereinten Nationen zur Untersuchung des Mordanschlags auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri ein.

Die USA, aber auch die EU, hatten in jüngster Zeit ihren Druck auf das arabische Land erhöht und fordern einen Abzug syrischer Truppen aus dem Libanon sowie schärfere Kontrollen an den syrischen Grenzen, um das Eindringen von Extremisten in den Irak zu unterbinden.

"Gespräche über Sicherheitsfragen dürfen nicht unterbrochen werden", sagte Assad in dem Interview, das die auflagenstarke türkische Tageszeitung "Hürriyet" am Freitag veröffentlichte. "Der einzige Weg, dies zu erreichen, ist ein direkter Dialog. Wir bemühen uns darum, stoßen in einigen US-Kreisen jedoch nicht auf dieselbe Haltung."

Assad kritisierte zudem, dass die USA als Supermacht eine Vision für den Nahen Osten vermissen ließen. Der Friedensprozess zwischen Palästinensern und Israel sowie das Thema Irak würden von ihr nur aus der Sicht eigener Interessen betrachtet. "Das ist der Grund, warum die USA Respekt und Glaubwürdigkeit verloren haben."

Am Vortag hatte Syrien seine Kooperationsbereitschaft bekräftigt, um dem von den Vereinten Nationen (UNO) geforderten Truppenabzug nachzukommen. Zudem kündigte das Land an, weitere Truppenteile entsprechend eines Abkommens von 1989 in den Osten des Libanon zu verlegen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan mahnte in einem Fernsehinterview, der UNO-Sicherheitsrat könne zu Maßnahmen gezwungen sein, sollte Syrien die Resolution zum Truppenabzug vom September 2004 nicht erfüllen. Annan berichtet im April im Rat über die Entwicklung seit Verabschiedung der Resolution.

Syrien hat 14.000 Soldaten im benachbarten Libanon stehen und gilt dort als Ordnungsmacht. Es hat bei der Beendigung des 1975 begonnenen Bürgerkriegs in dem Land eine maßgebliche Rolle gespielt und hatte dabei zumindest auch eine taktische Unterstützung der USA.

UNO-Team in Beirut

Die UNO-Untersuchungskommission, die die Hintergründe des Anschlags auf Hariri aufklären soll, wird von Irlands stellvertretendem Polizeichef Peter Fitzgerald geleitet und kann nach UNO-Angaben ihre Nachforschungen auch auf andere Länder ausweiten. Die libanesischen Behörden haben den UNO-Ermittlern, die am späten Donnerstagabend in Libanon eintrafen, schriftlich ihre Unterstützung zugesichert.

Das Team, das in Kürze noch von zwei weiteren Ermittlern unterstützt werden soll, traf am Freitag mit Innenminister Suleiman Frangie zusammen und wollte noch am selben Tag seine Untersuchungen am Ort des Anschlags aufnehmen. Innerhalb von vier Wochen will die Kommission ihren Bericht UNO-Generalsekretär Kofi Annan übermitteln, der dann den UNO-Sicherheitsrat informieren will. (APA/Reuters/dpa)

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