Die päpstliche Kurie arbeitet weiter

26. Februar 2005, 14:14
posten

Der Papst hat keinen Stellvertreter - "Stellvertreter Christi" kann aber viele wichtige Entscheidungen delegieren

Rom/Vatikan - Päpste herrschen nach katholischem Kirchenrecht unumschränkt, ihre Macht ist unteilbar. Auch im Krankenbett ist Johannes Paul II. gleichsam ein absoluter Monarch. Seit dem 12. Jahrhundert gelten die Päpste als "Stellvertreter Christi" auf Erden - daher verfügen sie über keinen eigenen Stellvertreter. Allerdings gilt die römische Kurie als professionelles Führungsinstrument der Weltkirche und arbeitet auch bei Krankheit des Papstes reibungslos weiter. Wichtige Entscheidungen bedürfen aber der Zustimmung des Papstes.

Die Kommunikation zwischen der Kurie und dem Papst fällt im Krankheitsfall hohen Kardinälen zu. Dies ist an erster Stelle Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano, der "Regierungschef" des Kirchenstaates. Der 77-Jährige gilt bereits seit längerem als Schlüsselfigur in der Vatikan-Hierarchie. Er ist einer der ganz wenigen, die Zugang zum kranken Papst haben.

"Außenminister" Lajola

Eine weitere Schlüsselrolle fällt Erzbischof Giovanni Lajola zu, dem "Außenminister" des Kirchenstaates, sowie Kurienkardinal Giovanni Battista Re, der vor allem die Vorschläge für Bischofsernennungen unterbreitet. Zu einem ganz wichtigen Mann ist der päpstliche Privatsekretär, der polnische Bischof Stanlislaw Dziwisz, geworden. Er ist derjenige, der die Erlaubnis zum Gespräch mit dem Papst erteilt.

Zwar muss der Papst alle wichtigen Entscheidungen treffen. Er kann aber für spezielle Aufgaben - wie das Lesen einer Messe - Vertreter ernennen. So ermächtigte er etwa am Donnerstag, ehe er in die Klinik gebracht wurde, Kardinal Sodano, die Formel zu einer bevorstehenden Heiligsprechung von fünf Seligen zu verkünden. Normalerweise leitet der Papst eine solche Sitzung selbst.

Vor einem Problem steht der Vatikan jedoch, wenn der Papst sein Amt nicht mehr ausüben kann, etwa weil er senil geworden oder ins Koma gefallen ist. Für einen solchen Fall gibt es im Kirchenrecht keine Vorkehrungen. Es kennt nur zwei Möglichkeiten: Tod oder Rücktritt. Und einen Rücktritt hat der Papst bisher kategorisch ausgeschlossen. (APA/dpa)

Share if you care.