Pühringer: "Bin nicht der Oberlehrer"

28. Februar 2005, 14:08
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Oberösterreichs Landes­hauptmann will zum zehnten Jubiläum nicht der "Richter über die Bundespolitik" sein und wirbt für Schwarz-Grün

Linz - Der nunmehr zehn Jahre amtierende und zu den "ÖVP-Granden" gezählte oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (V) übt Zurückhaltung in der Beurteilung der Arbeit der Bundesregierung: "Ich bin nicht der Richter über die Bundespolitik", stellte er in einem APA-Interview fest. Auch Ratschläge will er der Bundespartei keine geben, nur so viel: "Ich würde mir vor einer nächsten Nationalratswahl alle Optionen, auch Schwarz-Grün, offen lassen", sagt Pühringer, der in Oberösterreich selbst mit den Grünen regiert.

Kein Richter

Auf die Frage, ob die Bundes-ÖVP immer alles richtig mache, stellte Pühringer fest: "Dort wo Menschen am Werk sind, passieren Fehler. Das gilt für die Bundesregierung, das gilt auch für uns im Lande. Niemand ist fehlerfrei, aber ich bin nicht der Richter über die Bundespolitik - ich melde mich in konkreten Fällen zu Wort, insbesondere in den Gremien, dort wo die Kritik hingehört".

Lob für Grüne

Mit der Zusammenarbeit der ÖVP mit den Grünen in Oberösterreich zeigte er sich zufrieden, "denn es geht viel weiter, es werden die Probleme des Landes und seiner Menschen gelöst und vor allem gibt es eine gute Kultur der gemeinsamen Arbeit und des gemeinsamen Dialogs. Gerade das letzte Jahr war im Bereich des Arbeitsmarktes, der Investitionen und auch was den Mut zu Reformen anlangt (Wohnbauförderung, Spitalsreform, ...) ein erfolgreiches Jahr". Pühringer betont immer wieder, dass er der Bundespartei keine Ratschläge geben wolle. Er bestätigt aber im Interview, dass dort die Erfahrungen mit Schwarz-Grün beobachtet würden: "Natürlich gibt es das Interesse, und nicht nur von der Österreichischen Bundesregierung! Ich bin nicht der Oberlehrer der Bundespolitik, aber ich würde mir vor einer nächsten Nationalratswahl alle Optionen, auch Schwarz-Grün, offen lassen".

Über die SPÖ

Zur Diskussion über das politische Klima in Oberösterreich und den Kurs des SP-Vorsitzenden Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider, der dabei als "Störenfried" kritisiert wird, hält er fest: "Meine Reaktion ist klar: ich lade alle, auch SPÖ samt deren Vorsitzenden Erich Haider, zur Arbeit für Oberösterreich ein. Haider muss wissen, dass man mit Populismus zwar kurzfristig erfolgreich sein kann, aber nie auf Dauer. Außerdem schadet parteipolitischer Populismus einem Land. Aber nochmals: ich lade alle zur Zusammenarbeit ein, denn Oberösterreich ist stark geworden, indem das Gemeinsame vor das Trennende gestellt wurde. Das ist auch meine Devise für die politische Arbeit". (APA)

  • Josef Pühringer: Seit zehn Jahren Landeshauptmann Oberösterreichs.
    foto: standard/cremer

    Josef Pühringer: Seit zehn Jahren Landeshauptmann Oberösterreichs.

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