Dürer-Affäre: Bundesdenkmalamt prüft Albertina-Leihgaben in Madrid

25. Februar 2005, 20:55
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Ausstellung im Prado weiter unsicher - Kritik der Grünen an Ministerin Gehrer

Wien - Die Affäre um die Leihgaben von Albrecht Dürer verlagert sich nach Madrid. Das Bundesdenkmalamt unterzieht den bereits im Prado befindlichen Teil der Werke bzw. die konservatorischen Rahmenbedingungen vor Ort einer fachlichen Prüfung. Die Albertina hatte widerrechtlich Transporte in Richtung Madrid in Bewegung gesetzt. Nun besteht die Gefahr, dass die Ausstellung im Prado ins Wasser fällt.

Versand ohne Genehmigung

Das Ansuchen für die Ausfuhrgenehmigung von 94 Dürer-Grafiken der Albertina wurde am 15. Februar per Telefax an das Bundesdenkmalamt übermittelt. Ohne den Bescheid abzuwarten wurden bereits am Tag danach die ersten Transporte in Richtung Madrid in Bewegung gesetzt. Am 22. Februar erfolgte ein negativer Bescheid des Bundesdenkmalamtes, gegen den die Albertina am 23. Februar berufen hat.

Da das Allgemeine Verwaltungsverfahrensgesetz eine neuerliche Prüfung durch die Erstinstanz vorsieht, wenn eine mündliche Verhandlung zusätzliche Erkenntnisse ermöglicht, sei nun das Verfahren für weitere Prüfung an das Bundesdenkmalamt zurückverwiesen worden, so das Bildungsministerium: "Um das Berufungsverfahren vor Ort durchzuführen, werden die Experten nun nach Madrid reisen, um direkt am Prado die entsprechende fachliche Prüfung der Kunstwerke bzw. der konservatorischen Rahmenbedingungen vorzunehmen."

Fachliche Gutachten entscheidend

"Wir versuchen in der kürzestmöglichen Zeit zu entscheiden", versicherte Generalkonservatorin Eva-Maria Höhle. "In der Frage des Verleihs der Dürer-Grafiken an den Prado in Madrid sind einzig die fachlichen Gutachten entscheidend", betont das Ministerium. "Für den voreiligen Transport der Kunstwerke nach Madrid trägt die Albertina die alleinige Verantwortung." Anfang kommender Woche soll das Ergebnis vorliegen. Die Ausstellung im Prado soll am 8. März eröffnet werden.

Der sachliche Prüfung sieht der Prado mit Gelassenheit entgegen: "Wir sind mit Blick auf die Dürer-Ausstellung all unseren Verpflichtungen nachgekommen und haben deshalb auch kein Problem damit, wenn das österreichische Bundesdenkmalamt eine Kontrolle in unserem Museum durchführen möchte", erklärte Museumssprecherin Helena Garrido: "Wir gehen davon aus, dass es keine Probleme geben wird, die Ausstellung termingerecht zu eröffnen".

"Feudale Manier"

Die Affäre hat auch eine politische Facette. Mit Kritik meldete sich der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl via Aussendung zu Wort: "Der Hasen-Skandal von Albertina-Direktor Schröder basiert auf der unprofessionellen Ausgliederung der Bundesmuseen. Wer wie Ministerin Gehrer staatliche Verantwortung abgibt, darf sich nicht wundern, wenn - wieder einmal - in feudaler Manier ein Direktor sein Spielchen mit den ihm anvertrauten Objekten treibt." Die Ministerin trage "maßgeblich Verantwortung für den Hasen-Skandal."

Zinggl wäre gut beraten, "wenn er die Diskussion auf dieser Fachebene belässt und nicht aus parteipolitischer Motivation polemisiert", erwiderte ÖVP-Kultursprecherin Andrea Wolfmayr. Die Ausgliederung sei erfolgreich und Zinggl "kennt offenbar weder die Rechtslage beim Verfahren für Ausfuhrgenehmigungen ausreichend, noch hat er Vertrauen in die Expertinnen und Experten, die die sachliche Prüfung vorzunehmen haben." (APA)

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