Klagenfurter Brandserie: "Brennt die Stadt, bin ich satt"

26. Februar 2005, 15:21
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Versicherungsvertreter festgenommen - Einkäufe mit Kreditkarten brachten Beamte auf die Spur - Motiv nicht bekannt gegeben

Die Klagenfurter Polizei ist sicher, dass sie den lang gesuchten Serienbrandstifter erwischt hat. Auf die Spur des Versicherungsvertreters ist man durch Kreditkartendiebstähle gekommen, die er ebenfalls begangen haben soll. Der verdächtige Mann weist die Vorwürfe zurück.

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Klagenfurt/Graz – Dass seit Mittwoch in Klagenfurt kein Brand mehr gelegt wurde, könnte einen guten Grund haben: An diesem Tag wurde ein 38-jähriger Versicherungsvertreter verhaftet, der laut Polizei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" der lang gesuchte Serienbrandstifter sein dürfte. Wie Klagenfurts Kripochef Walter Fischer am Freitag bekannt gab, sei man ihm über Kreditkartendiebstähle auf die Spur gekommen.

Der Mann aus Ebenthal bei Klagenfurt soll in mindestens zehn Fällen Kredit- oder Bankomatkarten bei Einschleichdiebstählen erbeutet haben. In dieser Angelegenheit wurde er auch schließlich verhaftet. Beim Zusammentragen der Informationen fiel den Beamten der Diebstahlsgruppe dann auf, dass der Versicherungsvertreter in der vergangenen Woche immer dort zugange war, wo die Kellerbrände gelegt wurden.

Verdächtiger bestreitet Vorwürfe

Der Mann weist die Vorwürfe zurück. Doch die Polizei ist sicher, dass auch die Brandlegungen in Graz vom vergangenen Sonntag auf sein Konto geht. Kripochef Fischer: "Er war nachweislich zum Tatzeitpunkt in Graz." Der Verdächtige habe auch in mehreren Fällen zugegeben, sich nahe des Brandortes aufgehalten zu haben, "manchmal mit einer Begründung, zum Teil konnte er seine Anwesenheit nicht erklären".

Zurzeit werden noch Tonbandmitschnitte von Anrufen ausgewertet, die bei der Feuerwehr und beim ORF nach Brandstiftungen eingegangen waren. In einem Fall hatte der Anrufer zum Beispiel gesagt: "Klagenfurt ist jetzt aus, Graz brennt auch bald aus, brennt die Stadt, bin ich satt, und tschüss ihr Affen."

Zum Motiv des mutmaßlichen Brandstifters sagte Fischer: "Es liegt in der Person des Mannes." Nähere Details dürfe man aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Der Versicherungsvertreter ist unbescholten, er ist geschieden und hat Kinder.

Nicht aus Geldnot

Auffallend sei, dass die Betrügereien nicht aus Geldnot erfolgt seien. Der Verdächtige lebe in geordneten finanziellen Verhältnissen, die mit den gestohlenen Karten getätigten Einkäufe seien offenbar völlig wahllos verlaufen. In einer Parfümerie habe der Mann gleich zehn Flaschen des gleichen – teuren – Herrenparfüms erstanden. Auch andere Artikel seien oft in mehrfacher Ausfertigung gekauft worden. Die sichergestellten Artikel füllten einen ganzen Kombi.

Polizei und Feuerwehr halten die erhöhte Alarmstufe vorerst aufrecht. Man befürchtet mögliche Nachahmungstäter. (APA, simo, DER STANDARD – Printausgabe, 26./27. Februar 2005)

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