Weltbank veröffentlicht ersten internen Anti-Korruptionsbericht

26. Februar 2005, 14:16
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Mehr als 300 Korruptions- und Betrugsfälle aufgedeckt - Keine Österreicher auf "Schwarzer Liste"

Washington - Die Weltbank in Washington hat am Donnerstag ihren ersten Anti-Korruptionsbericht veröffentlicht. Dem Kampf gegen das "Krebsgeschwür Korruption" hatte sich Weltbank-Präsident James Wolfensohn in bereits seit 1996 verschrieben. Korruption sei eines der wichtigsten Hindernisse bei der Entwicklung der armen Staaten, lenke Ressourcen von den Armen zu den Reichen, führe zu Störungen bei den öffentlichen Ausgaben, erhöhe die Kosten der Verwaltung und schrecke internationale Anleger ab, so Wolfensohn damals in einer Rede. Im ersten Anti-Korruptionsbericht sind nun Einzelheiten über den Kampf gegen Korruption innerhalb der Weltbank sowie bei Weltbank-finanzierten Projekten der letzten fünf Jahre (1999 - 2004) angeführt.

Von 1999 bis 2004 hat die Weltbank demnach mehr als 300 Firmen oder Einzelpersonen wegen Korruptionsfällen oder Betrug sanktioniert. Die Strafen reichen von einer Rüge bis zum unbegrenzten Ausschluss von weiteren Geschäften mit der Weltbank und Anzeige an die Behörden. Aus Österreich finden sich keine Firmen oder Personen auf der "Schwarzen Liste". Neben zahlreichen Firmen aus Indonesien sind u.a. auch Unternehmen aus Kambodscha, Nigeria, Indien, sowie aus den USA, Kanada, Frankreich und Großbritannien sanktioniert worden. Im Finanzjahr 2004 waren zwölf Mitarbeiter der Weltbank der Korruption oder des Betruges oder anderer Pflichtverletzungen überführt worden, davon wurden neun gekündigt und drei mit anderen Mitteln sanktioniert.

Zum finanziellen Schaden für die Weltbank und deren Entwicklungsprojekte durch die Korruptionsfälle liegen in dem Bericht keine Angaben vor. "Wir wissen es nicht", sagte der Direktor der Abteilung für Institutionelle Integrität der Weltbankgruppe, Maarten de Jong, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Washington. Der niederländische Jurist und Kriminologe, der früher bei Interpol tätig war, verweist auf den Präventionseffekt seiner Abteilung die mögliche Betrüger abschrecke. Der Erfolg der Weltbank-Antikorruptionsabteilung zeige sich auch darin dass die UNO einige Experten abgeworben habe. Die sechs Ermittlungsteams der mehr als 50 Mitarbeiter umfassenden Abteilung arbeiteten vollkommen unabhängig von Weisungen, betonte de Jong.

Die Weltbank sei die einzige multilaterale Organisationen, die die Ergebnisse ihres Sanktionsprozesses veröffentliche. Die "schwarze Liste" der betroffenen Firmen und Personen kann im Internet eingesehen werden. Der Bericht der Anti-Korruptionsabteilung wurde jetzt zum ersten Mal veröffentlicht, weil der Weltbank-Vorstand erstmals im Vorjahr Grünes Licht für die Publikation gab. Der Bericht werde von nun an jährlich erscheinen, auch nach dem erwarteten Wechsel an der Spitze der Weltbank bzw. dem Abgang von Wolfensohn, versicherte de Jong. (APA)

(SERVICE: Weitere Informationen im Internet unter http://www.worldbank.org/brief/corruption, ) (Schluss) gru/za

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