Strache legt sich mit Haider an

3. März 2005, 17:14
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Wiener FP-Obmann unterstreicht seine bundespolitischen Ambitionen - Scheuch will Strache nicht überbewerten

Wien - Mit klarer Kritik am derzeitigen Kurs der FPÖ und an Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (F) hat der Wiener FP-Obmann Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend seine bundespolitischen Ambitionen unterstrichen. Bei einer Veranstaltung des "Liberalen Klubs" forderte er einen "Kurs der Renaissance" für die Partei, die sich in einer "tiefen Krise" befinde, die zur "Existenzbedrohung" werden könne. Er sei zuversichtlich, dass "mit der richtigen Seilschaft" der Wiederaufstieg aus dem derzeitigen Tal gelingen werde.

Konter

Wenn eine Mannschaft gut aufgestellt sei, spiele sie gut. Wenn nicht, stelle sich die Frage, ob der Trainer oder die Spieler schuld seien. FPÖ-Chefin Ursula Haubner hatte zum Abschluss der Klausur der freiheitlichen Parlamentsfraktion gemeint, die FPÖ habe auf allen Ebenen ein gutes Team, in dem jeder willkommen sei. Für "Einzelspieler" sei aber kein Platz, jeder habe die freie Entscheidung, dabei zu sein oder nicht dabei zu sein.

Strache wünscht sich 2006 zum 50. Partei-Geburtstag eine FPÖ "mit der Kraft und Dynamik der Jugend und der Reife und Erfahrung der älteren Generation", so der 35-Jährige.

Ziel sei ein Gesamtpaket für den "Wiederaufbau der FPÖ". Man müsse wieder den Mut haben, "Dinge anzusprechen, die nicht bequem sind". Zu ihrer erfolgreichen Zeit habe die Partei nach dieser Devise gehandelt.

Macht brauche man nur, um Grundsätze umzusetzen, nicht um ihrer selbst Willen, forderte Strache. Deshalb solle sich die FPÖ nicht schrecken, "vielleicht auch mal wieder Oppositionsarbeit machen zu müssen". Denn: "Selbstbestimmung bedeutet auch Selbstbeschränkung." Klar sei aber, dass an den schlechten Wahlergebnisse nicht die Regierungsbeteiligung schuld sei, "sondern unser Verhalten in dieser Regierung."

Außerdem sei in der erfolgreichen Zeit versäumt worden, hinter der Galionsfigur Haider feste Parteistrukturen aufzubauen. Je öfters dieser nun ohne Folgen die Diskussion um seine Rückkehr an den Bundesvorsitz führe, "desto unglaubwürdiger werden wir", mahnte Strache.

Warnung an Haider vor eigener Liste

Er warnte den Kärtner Landeshauptmann auch, eine eigene Parteiliste zu gründen: Haider hätte seit Monaten klarstellen können, dass er dies nicht plane, wenn dem so sei. Außerdem frage er sich: "Wozu eine Haider-Liste, wenn wir jetzt eine Haider-Liste haben?" Schließlich gebe es in der FPÖ keine Postenbesetzung, die dieser nicht gewollt habe.

Man könne vielleicht einen Einmal-Erfolg erzielen, wenn man "eine Hollywood-Partei" aus dem Boden stampfe. Was passiere aber mit einer Partei, die den Namen ihres Gründers trage, wenn dieser in Pension gehe. "Wenn man nicht zufrieden ist, dann muss man Verantwortung tragen", betonte Strache, ohne explizit auszuführen, ob er dies auf Haider, oder sich selbst bezog.

Scheuch will Strache nicht überbewerten

Wien (APA) - FPÖ-Generalsekretär Uwe Scheuch versucht die jüngste Kritik des Wiener Parteichefs Heinz-Christian Strache am Erscheinungsbild der Bundespartei herunter zu spielen. "Ich würde einfach sagen, es gibt bei Strache eine Mischung aus berechtigter Sorge um die Partei und die Erkenntnis, dass wir etwas verändern müssen". Dass Strache sich illoyal gegenüber der Partei verhalte, sieht Scheuch nicht. "Nein, das ist eine Überbewertung", so Scheuch.

Scheuch betonte, "wir haben alle Verbesserungsbedarf". Was die Kritik Straches an Haider betrifft, forderte Scheuch den Wiener FP-Chef auf, seine Wahl genauso erfolgreich zu schlagen. "Ich wünsche dem Heinz-Christian auch 43 Prozent" für die FPÖ wie in Kärnten. (APA)

  • Strache zuversichtlich: "Mit der richtigen
Seilschaft gelingt der Wiederaufstieg aus dem derzeitigen Tal"
    foto: standard/heribert corn

    Strache zuversichtlich: "Mit der richtigen Seilschaft gelingt der Wiederaufstieg aus dem derzeitigen Tal"

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