Schröder würdigt verstorbenen Wischnewski als "großen Staatsmann"

26. Februar 2005, 12:30
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SPD-Politiker "Ben Wisch" war Minister unter Brandt und Schmidt

Berlin - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den verstorbenen SPD-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski als "großen Staatsmann" gewürdigt. "Ben Wisch" habe schon früh die strategische Bedeutung der deutsch-arabischen Beziehungen erkannt, sagte Schröder am Freitag in Berlin. Er habe sich in "zupackender Weise" als "Brückenbauer" hervorgetan und den Dialog zwischen den Kulturen vorangetrieben und sich damit, "hohes Ansehen auch in der arabischen Welt erworben". Schröder: "Dass ich einen persönlichen Freund verliere, will ich nicht verschweigen."

"Ben Wischs" heikle Missionen

Der deutsche Altpolitiker und ehemalige stellvertretende SPD-Vorsitzende war am Donnerstagnachmittag gegen 15.00 Uhr in der Kölner Universitätsklinik gestorben.

Der 82-Jährige war am Dienstag aus einem künstlichen Koma erwacht. Der frühere Minister unter den deutschen Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt war in der vergangenen Woche wegen einer Grippe in eine Klinik in Köln eingeliefert worden

"Ben Wisch", so sein Spitzname, war in den 1970er Jahren als Staatsminister und Chefkoordinator im Bonner Kanzleramt für seine heiklen Missionen bekannt. Als erfolgreicher Krisenmanager und "Feuerwehrmann der Nation" wirkte der gebürtige Ostpreuße 1977 bei der Befreiung von Geiseln der Lufthansa-Maschine "Landshut" in Mogadischu (Somalia) durch die Anti-Terror-Gruppe GSG 9 mit.

Als Chef der SPD-Jugendorganisation, Bundesgeschäftsführer der Partei, Schatzmeister und stellvertretender Parteivorsitzender durchlief "Ben Wisch" eine brillante Laufbahn in der sozialdemokratischen Funktionärshierarchie. In der Großen Koalition von CDU/CSU und SPD (1966 bis 1969), die er zuerst entschieden abgelehnt hatte, leitete er das Entwicklungsministerium.

1988 wirkte er maßgeblich bei den Waffenstillstandsverhandlungen zwischen der sandinistischen Regierung Nicaraguas und den von den USA unterstützten rechtsgerichteten Contra-Rebellen mit. (APA/AP/dpa)

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    Hans-Jürgen Wischnewski war in den 1970er Jahren als Staatsminister und Chefkoordinator im Bonner Kanzleramt für seine heiklen Missionen bekannt.

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