Verliebter 75-Jähriger raubt Bank aus

28. Februar 2005, 19:29
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"Betrug oder wie immer man es nennt", sagt er. "Man nennt es so", bestätigt der Richter. - eine Gerichtsgeschichte

Wien - Herr Josef, in wenigen Tagen 75, blickt von der Anklagebank verklärt zurück in die Vergangenheit: Fußballer war er, Trainer, Kassier und Geschäftsmann. Dazwischen war er ein paar Mal Delinquent. "Betrug oder wie immer man es nennt", sagt er. "Man nennt es so", bestätigt der Richter.

Das Geld fehlte noch

Seit 32 Jahren ist Herr Josef "glücklich verheiratet". Und (Betrug oder wie immer man es nennt): Bald ist er 53 Jahre älter als seine 22-jährige Ergänzung des Glücks, in die er sich unsterblich verliebt hat, "obwohl sie keine Österreicherin ist, sondern eine Polin", erklärt er. Silvester wollten sie in Paris feiern, er mit ihr - und sie mit seinem Geld. Nur dieses Geld, das fehlte eben noch.

"Ich kämpfte mit mir eine Nacht lang, um es zu machen", sagt er. (Den Banküberfall.) Denn: "Ich habe viele schlechte Eigenschaften, aber feig bin ich nicht." Den Tag davor trieb er sich in Geldinstituten herum und tratschte mit Kassieren. Warum? - "Ich habe sondiert." Am 16. Dezember klebte er sich Hansaplast über die Nase und besuchte die bevorzugte Filiale mit dem freundlichen Personal am Stephansplatz. In der Hand hielt er eine scharf geladene Pistole. Dazu wählte er die Worte: "Das ist kein Spaß, das ist ein Überfall." Der Kassier glaubte ihm und packte 53.855 Euro ein sowie ein Alarmpaket.

Polizisten warteten schon

Herr Josef verließ, Paris bereits zum Greifen nahe, die Wiener Bank, als es aus seinem Plastiksackerl übel zu rauchen begann. Statt davonzulaufen, ging er langsam weiter. "Mein Meniskus war frisch operiert", erklärt er den Geschworenen. Schließlich wandte er sich in seiner Not an die Volksanwaltschaft, besuchte dort die Toilette im ersten Stock und entledigte sich aller rot gewordenen Geldscheine. Als er wieder ins scheinbar Freie trat, warteten schon die Polizisten. Wehmütig erinnert er sich an diese Szene: "Ich sagte nur noch c'est la vie."

Das Urteil: acht Jahre Haft. - Das ist ihm zu viel. "Da geh ich ja im Rollwagerl raus", beschwert er sich. (Daniel Glattauer, DER STANDARD - Printausgabe, 25. Februar 2005)

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