Chef der Vergabekommission, Peter Gattermann

15. April 2005, 15:44
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Der Karikaturist und die Schlacht um ein Stadion

Zwischen drei und vier Uhr früh packt es ihn meist. Peter Gattermann, Vorsitzender der Vergabekommission für das EM-Stadion in Klagenfurt, schreckt aber nicht wegen der Turbulenzen rund um das Vergabeverfahren hoch. Der "gute Schläfer" greift vielmehr zu Stift und Papier - und zeichnet. Nicht irgendwas, sondern Karikaturen - so erfolgreich, dass der 50-jährige Kremser mit dem filigranen Strich mehrfach ausgezeichnet wurde und in New York und London ausstellte.

Die zeichnerische Palette des quirligen Glatzkopfs ist breit: von Architektur-Cartoons ("Architoons") über Berufsgruppen-Bilder, auf denen Architekten, Juristen, Ärzten, Musikern und Künstlern mit spitzer Feder zu Leibe gerückt wird, bis zu Serien mit dem Titel "bierernst" - über Bier natürlich. Einziger kreativer Tribut an den jetzigen Wirbel: eine "Stadiontortenschlacht".

Mit Stadien kennt sich der Architekt aus, ist er doch seit 1995 Direktor des Österreichischen Instituts für Schul- und Sportstättenbau. Tivoli, Kleßheim, aber auch internationale Stadionprojekte für die WM 2006 setzen auf diesen Sachverständigenrat. Eine weltweit anerkannte Erfindung des Instituts ist ein Computerprogramm für Fluchtwegpläne: "Im Notfall müssen alle Stadien in acht Minuten geräumt sein", so Gattermann.

Er ist dem Bildungsministerium als Beamter zugeordnet und wurde als solcher vom Bund, dem Auftraggeber für das Klagenfurter Stadion, zum Vergabekommissionschef ernannt: "Nicht bezahlt, unangreifbar als Experte und firmenunabhängig." Dabei entspricht der energiegeladene, "sachlich hoch emotionalisierte und sehr begeisterungsfähige" Hochbauexperte so gar nicht dem Klischee des Staatsdieners: Da ist diese Brille - "eine Designerbrille, aber eine billige, weil sie ein Freund von mir, der in Venedig lebt, ,geschnitten' hat". Es ist ungefähr die 30., der bekennende Brillenfreak wechselt jährlich.

Mehr an Luxus gönnt sich der kunstinteressierte Junggeselle nicht. Geurlaubt wird in Italien, Spanien und im "fantastischen Irland". Von dort stammt auch Brian, sein irisches, "geländegängiges" Pferd, mit dem der passionierte Reiter die Wachau erkundet. Brian heißt wie der irische "König Brian Boru, ein Revoluzzer". Er selbst hält's weniger revoluzzerisch, sondern ist lieber "cool und sachlich". Dafür darf's beim Skifahren schon mal mehr Tempo geben.

Sein Motto stammt von Konfuzius: "Wer sagt eigentlich, dass man verliert, wenn man anständig durchs Leben geht?" An einem arbeitet Gattermann noch: "Ich liebe Asien, war beruflich viel in Japan und bewundere die Gelassenheit der Asiaten." Und auch wenn Jörg Haider "der Wiener Figur" anderes unterstellen mag, Gattermann ist Fußballfreund: "Ich möchte mir in Kärnten möglichst weit vorn einen Platz reservieren." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2005)

Von Lisa Nimmervoll
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