Kärnten ist kein Bananenbundesland

24. Februar 2005, 19:27
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Heimatkunde für haltlose Untersteller in Sachen EM-Stadion - Kommentar der anderen von Egyd Gstättner

Wenn Sie, liebe Leser, liebe Leserin, einmal ein ganz großes Fußballstadion bauen wollen, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an den Klagenfurter Konzerthausdirektor. Denn wer, wenn nicht er, sollte sich da auskennen? Ob Pfeifkonzert oder Schlachtgesang - immer ist die Akustik von entscheidender Bedeutung, und auch der Dümmste kennt die Doppelbedeutung des Wortes Ball, der außer dem Sportgerät, dem 22 so genannte Hanseln nachjagen, auch eine Festveranstaltung für Protzen, Tanzen, Saufen ist.

Viele Fußballvereine feiern Tore heute schon mit ein paar Takten Triumphmarsch aus Aida und quittieren Gegentreffer mit dem Gefangenenchor. Apropos Aida: Der nächste F-Ball, also die nächste Nacht am Nil findet unter Flutlicht statt, und der Fußballpräsident des FC Kärnten geht als Nebukadnezar! Eigentlich wollte er als Vereinspräsident schon vor fast fünf Jahren zurücktreten. Aber eigentlich will ja auch Klagenfurt schon seit zehn Jahren ein Stadion bauen. Pläne gibt es viele ...

Der politische Gegner, also der Juniorpartner der Kärntner Totalkoalition, lamentiert zwar über den parteipolitischen Würgegriff und fragt, was ausgerechnet ein Konzerthausdirektor in der Vergabekommission für ein Fußballstadion verloren hat: Aber das ist reiner Neid! Endlich kommen jetzt Fachleute zu Wort!

Ist nicht auch in Wien Ioan Holender für die Adaptierungsmaßnahmen des Happelstadions zuständig? Na also. Kümmert sich in Innsbruck nicht Dominique Mentha um das neue Stadiondach? (Text der Hausordnung: Felix Mitterer.) Und ist für den Ausbau des Stadions Salzburg-Siezenheim etwa nicht das Expertenquartett Hans Landesmann, Simon Rattle, Gerard Mortier und Martin Kusej zuständig, allesamt Schüler von Herbert von Karajan, dem legendären Erbauer der Naturskisprungschanze Bischofshofen?

Warum sollten solche internationalen Gepflogenheiten nicht auch in Kärnten gelten? Wir sind ja kein Bananenbundesland! Wer braucht schon Architekten mit ihren permanenten Fehleinschätzungen? Die klagen wir in Grund und Boden!

Wenn einmal der Ausbau des Konzerthauses ansteht, wird man in die Vergabekommission im Gegenzug sicherlich Günther Golautschnig und Peter Hrstic schicken. Und bevor die Bagger zum Bau der neuen Landesregierung anrollen, muss man zunächst einmal bitte schön meine Expertise abwarten. Und das, liebe Leser, liebe Leserin, verspreche ich: Meine Rache wird fürchterlich sein! (DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2005)

Egyd Gstättner ist Schriftsteller und lebt in Klagenfurt.
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    Der Beweis: J. Haider (li.) und P. Westenthaler prüfen eine Banane und stellen fest, dass es eine Narrenkappe ist.

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