Pro & Contra: Latin Lover

24. Februar 2005, 19:27
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Einen Westentaschen-Zorro der Gefühle findet Doris Krumpl gar nicht übel, Thomas Rottenberg dagegen schon

Pro

Frauen sind im Grunde ganz einfach gestrickt - eine glatt, eine verkehrt. Und honorieren es über alle Maßen denjenigen wenigen Männern, die das genauso sehen. Vor allem wenn sie glutäugig und gutgläubig vermitteln, dass die derzeit Angebetete in der Tat der Mittelpunkt der Welt ist. Sie hören lassen, was sie hören will - und es in diesem Moment sogar selbst glaubt. Bis ihr Hören und Sehen vergeht. Aber das kann schnell gehen, und das ist eine andere Geschichte. Also: Niemand muss bis drei Uhr früh über Blahblahblah diskutieren, bis sich nach dem siebenten Drink die Erinnerung an, ja, exakt nichts einstellt.

So etwas kann bei Antonio Banderas nicht passieren. Und er hat auch nichts dagegen, dass sie nicht mehr zum Frühstück bleibt. Latins aller Art dürfen sich einfach mehr erlauben, selbst gemeinhin Peinliches. Das ist verdammt ungerecht, aber wahr. Wenn schon Lover, dann eben latin: La vida loca, das pechschwarze Haare, rollendes R und verdammt viel Kitsch und Schund zusammenhält. So ein Westentaschen-Zorro der Gefühle. Ein Labsal und Selbstbewusstseins-Verstärker in politisch korrekter Zeit, dieser Kuschelkurs mit dem Klischee.

Sei's drum! Wenn alles nix hilft - es heißt, selbst die südländischen Kitschkaiser mutieren zusehends zu eingeschüchterten Muttersöhnchen -, dann eben ein fruchtig-süßer "Latin Lover". 6 cl Ananassaft, je zwei Teile Zitronen- und Limettensaft plus 4 cl Tequila: Shake it, babe, shake it! Der wirkt garantiert.
Doris Krumpl
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Es sei, erklärte die Damenrunde, eine Frage der Vernunft, dagegen zu sein. Weil die kluge Frau vorausschauend agiere. Und einer, der sein frisch gefangenes Weibchen die erste Woche mit gebieterisch-machistischem Gehabe, feurigen Blicken, heißem Temperament und gekonntem Körpereinsatz virtuos vom Bett auf den Küchentisch, von dort auf den Boden und dann aufs Sofa (Einschub: die Liste, die A.s Freundinnen herunterbeteten, war lang und ausschweifend. Ich verkniff mir die Frage, ob das erträumte oder erlebte Orte seien - sie hätten mich aus dem Raum katapultiert) verfrachtete, habe einen Nachteil, den nichts - nein, nicht einmal das - wettmachen könne: die zweite Woche.

Paschas, die anderen nachschauen, brauche keine. Männer, die Hüftspeck ansetzen, sich aber für Apoll hoch Adonis halten und Haupthaarausdünnung durch Kopfhautschwarzfärben kaschieren, seien peinlich. Vor allem dann, wenn sich Fatty - ohne aktuellen Nachweis - für Gottes Geschenk an die Frauen halte.

So einen nähme keine Frau, die mit klarem Geist durchs Leben gehe. Und ich möge mir die Frage, wer um ein Uhr früh an schummrigen Orten und unter Alkoholeinfluss den Partner nach Nachhaltigkeits- und Kopf- Argumenten aussuche, gefälligst sparen. Und lieber mein Versprechen einlösen: Ich hatte schließlich geloben müssen, der Damenrunde im Gegenzug zu erklären, was aus Männersicht alles gegen Barbie-Blondinen mit Antigravitationsbrüsten und Nano-IQ spräche.
Thomas Rottenberg
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2. 2005)

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