E-Card - Ärzte erhoffen sich Arbeitserleichterung

27. Februar 2005, 13:25
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Nach dem Testlauf startet am 28. Februar im Burgenland der Testbetrieb für Krankenschein-Ablöse - Mit Infografik

Eisenstadt - "Die Skepsis bei den Ärzten gegenüber der Technologie ist zwar teilweise vorhanden, aber die Bereitschaft für das neue E-Card-System ist hoch", stellt der Neusiedler Gynäkologe Herbert Schwarz stellvertretend für all jene 78 niedergelassenen Ärzte (teilweise mit mehreren Ordinationen) im Nordburgenland fest, bei denen mit Stichtag 28. Februar der dreimonatige Probebetrieb für den elektronischen Krankenschein startet.

Er und seine Kollegen erhoffen sich davon, dass nicht nur die Patienten weniger administrative Hürden beim Arztbesuch überwinden müssen, sondern auch die Papierflut an Krankenscheinen und die damit verbundene Verwaltungsarbeit bald der Vergangenheit angehören. "Hat der Patient seine E-Card vergessen, kann der behandelnde Arzt durch Eingabe der Versicherungsnummer rasch feststellen, ob er einen Versicherungsschutz hat", nennt Schwarz einen der Vorteile. Dadurch entfalle für den Arzt auch das lästige Mahnwesen bei fehlenden Scheinen. "Es ist keine Seltenheit, dass zum Abrechnungszeitpunkt bis zu 100 Scheine nicht in der Ordination vorliegen", berichtet der Gynäkologe aus der Praxis.

Als Manko beim neuen E-Card-System empfindet er die Beschränkung der Facharztscheine (Ausnahme: Zahnbehandlungen). Auch mit der E-Card kann ohne zusätzliche Überweisung etwa vom Hausarzt nur ein Facharztbesuch im Abrechnungszeitraum pro Patient erfolgen. Die Überweisungsscheine müssen wie bisher archiviert werden - wie lange, stehe noch nicht fest.

Derzeit werden im burgenländischen Testgebiet noch die erforderlichen Geräte in den Arztpraxen mit dem Zentralserver im HVB vernetzt, berichtet Franz Jirik von der Telekom Austria, die bei der Ausschreibung die Sicherheitsnetzanforderungen neben der UTA für sich entscheiden konnte.

Technik und Kosten

Für den Einsatz des E-Card-Systems benötigt der Arzt einen Telefonanschluss, der noch nicht für andere Breitbanddienste verwendet wird - dies gilt sowohl für ISDN- als auch analoge Telefonanschlüsse -, eine so genannte GINA-Box (Gesundheitsinformation-Netzwerk-Adapter) und ein Kartenlesegerät.

Mit der Basisinstallation, die für den Vertragsarzt kostenlos ist, wird die Integration in ein vorhandenes Computersystem vorbereitet. Sollte die Praxis darüber nicht verfügen, wird zum Nutzen des Systems lediglich ein Bildschirm und eine Tastatur benötigt. An laufenden Verbindungskosten fallen pro Praxis rund 33 Euro an.

"Die Chance, sich besser zu organisieren, kostet halt was", meint Facharzt Schwarz. Wünschenswert für ihn wäre es, wenn in absehbarer Zeit alle für die Behandlung eines Patienten erforderlichen Daten mit dem E-Card-System abgerufen werden könnten.

Bis Ende Februar werden vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HVB) in den Bezirken Eisenstadt, Eisenstadt Umgebung und Neusiedl am See insgesamt 105.000 E-Cards an die Versicherten ausgegeben.

Der bundesweite Roll-out beginnt im Juni 2005 parallel in den fünf vom HVB definierten Regionen. Ab diesem Zeitpunkt werden dann täglich rund 70.000 E-Cards per Post an die etwa acht Millionen österreichischen Sozialversicherte verschickt. Rund 12.000 Arztpraxen und Ambulatorien in ganz Österreich sollen bis Ende November 2005 mit dem E-Card-System ausgestattet sein. Bis dahin laufen "Papier"- und elektronisches Krankenscheinsystem parallel. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2005)

Von Karin Tzschentke
  • Der Stufenplan zur Einführung der e-card

    Der Stufenplan zur Einführung der e-card

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