Van Staa: Zweifel an Echtheit von Nazi-Akt über Wallnöfer

19. Dezember 2005, 15:01
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Tirols Landeshauptmann will die "Authentizität" der NSDAP- Mitgliedskarte seines Schwiegervaters prüfen lassen

Innsbruck – Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa und der Leiter des Tiroler Landesarchivs, Richard Schober, hegen Zweifel an der Echtheit der NSDAP-Mitgliedskarte von Altlandeshauptmann Eduard Wallnöfer. Ein Mitarbeiter des Landesarchivs soll deshalb beim Bundesarchiv in Berlin "die Authentizität der Karte prüfen", sagte Schober zum STANDARD. Der Auftrag dazu sei vom Landeshauptmann erteilt worden.

Wallnöfers Mitgliedskarte mit der Nummer 9 566 289, die dem STANDARD als Kopie eines Mikrofilm-Ausdrucks vorliegt, ist allerdings zumindest einem Historiker bereits seit 18 Jahren bekannt. Der Innsbrucker Zeitgeschichtler Michael Gehler hat nach eigenen Angaben im Jahre 1987 bei Forschungen zur NS-Vergangenheit von Studentenbünden nebenbei auch die NSDAP- Karte von Wallnöfer im Berliner Document Center (BDC) gesehen. Der Bestand liegt heute im Bundesarchiv.

Für ihn, so Gehler in einer Stellungnahme an den STANDARD habe es damals aber "weder Legitimation noch Veranlassung gegeben, das bekannt zu machen". Er habe die Daten nur "rein quantitativ" auswerten, also "keine Namensnennungen" vornehmen dürfen. Zudem habe er in Wallnöfers Mitgliedschaft "keine Sensation" gesehen, wenn sie auch nicht "irrelevant" sei.

Landesarchivdirektor Schober behauptet aufgrund von zwei offenbar jetzt entdeckten Tiroler Dokumenten aus den Jahren nach dem Krieg, Wallnöfer sei "rechtlich kein Mitglied der NSDAP" gewesen. Im ersten Dokument, einem Brief vom 9. 6. 1947, in dem Wallnöfer schreibt, "einen Antrag um Aufnahme in de NSDAP unterschrieben" zu haben, bittet er "um Streichung aus der NS-Registrierungsliste" von 1946.

Im zweiten Papier wird ihm von der Bezirkshauptmannschaft Imst am 13. 8. 1947 – aufgrund eigener Angaben – beschieden, dass er "die Anwartschaft der NSDAP nie erworben hat" und somit in der späteren Registrierungsliste von 1947 "nicht zu verzeichnen" gewesen sei. Wallnöfer, damals Bezirkssekretär der Landwirtschaftskammer in Imst, fiel aufgrund dieses Bescheids nicht unter die Prozedur der Entnazifizierung.

Der Stellenwert der beiden Dokumente wird von anderen Historikern stark relativiert. "Ähnliche Bescheide aufgrund von Selbsterklärungen früherer NSDAP-Mitglieder ohne Nachprüfungen der Behörde waren keine Seltenheit", sagt der Innsbrucker Holocaust-Experte Thomas Albrich. Offensichtlich sei der BH Imst die NSDAP-Mitgliedskarte Wallnöfers nicht vorgelegen, so Albrich.

Genügend Material

Zu fragen sei aber vor allem, wieso sich Wallnöfer, wie vorgeschrieben, im Jahre 1946 registrieren hat lassen, wenn er nicht Parteimitglied war? "Rechtlich" mag Wallnöfer, wie von Schober behauptet, kein NSDAP-Mitglied gewesen sein. Das habe nichts mit der historischen Wahrheit zu tun. Aber angesichts der klaren Aussagen des Archivdirektors, mit der Schober seine wissenschaftliche Reputation riskiere, so Albrich, sei wohl davon auszugehen, dass das Archiv bereits genügend Material gefunden habe, um Wallnöfer "hinsichtlich einer Mitgliedschaft zweifelsfrei zu entlasten".

Auf Anfrage sagte Schober, dass "in Tirol dazu keine weiteren Dokumente vorhanden sind". (bs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2005)

Von Benedikt Sauer
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    Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa will in Berlin die "Authentizität" der NSDAP-Mitgliedskarte seines Schwiegervaters Eduard Wallnöfer durch das Landesarchiv prüfen lassen. Ein Holocaust-Experte kritisiert indessen den Archivdirektor.

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