Bosnien übernimmt als erstes Balkan-Land Prozesse aus Den Haag

26. Februar 2005, 16:48
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Ashdown: Entscheidender Schritt vorwärts für Rechtsstaat - Auch Karadzic und Mladic könnten sich UNO-Tribunal stellen

Sarajewo - Fast ein Jahrzehnt nach Ende des Krieges wird Bosnien-Herzegowina noch im Frühjahr erstmals vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag übertragene Fälle übernehmen. Das erklärte der Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft in Bosnien, Paddy Ashdown, am Freitag auf einer Pressekonferenz. Bosnien sei somit das erste Land in der Region, das vor dem Haager Tribunal angeklagten mutmaßlichen Kriegsverbrechern in deren Heimat den Prozess macht, so der Brite. Das bedeutet, dass Gerechtigkeit und Rechtsstaat in Bosnien einen entscheidenden Schritt vorwärts machen.

Am 9. März werden die UNO-Chefanklägerin Carla del Ponte und der Präsident des Haager Tribunals, Theodor Moron, nach Sarajewo kommen, um bei der Eröffnungszeremonie der bosnischen Kriegsverbrecherkammer anwesend zu sein. Am 4. März entscheidet ein Gremium des Tribunals, welche der 50 in Frage kommenden Fälle nach Bosnien transferiert werden sollen.

Auch Karadzic und Mladic könnten sich UNO-Tribunal stellen

Belgrad - Der ehemalige politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein Armeechef Ratko Mladic, könnten sich freiwillig dem UNO-Kriegsverbrechtertribunal in Den Haag stellen. Das sagte der Regierungschef der bosnischen Serben, Pero Bukejlovic, der Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug am Donnerstag.

Nachdem sich einige ihrer engster Mitarbeiter freiwillig auf den Weg zum UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gemacht hätten, würden sich auch Karadzic und Mladic "sicher" einen solchen Schritt überlegen. Sollten sie sich stellen, könnte sich Bosnien der Entwicklung und Lösung der sozialen Probleme zuwenden, sagte Bukejlovic.

Die Behörden der Serbenrepublik haben bekannt gegeben, dass sie im Kontakt mit der Karadzic-Familie versuchen, ihn zur Aufgabe zu bringen. Seine Frau Ljiljana Zelen-Karadzic hat unlängst erklärt, ihr Mann werde sich nicht stellen. Die beiden sind seit neun Jahren auf der Flucht. (APA/Red)

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