Vorstand stellt klar: Aufsichtsrat segnet Dienstrecht am Montag ab

28. Februar 2005, 20:05
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Hampel hofft noch auf Verhandlungslösung mit Betriebsrat, sonst Konzept im Alleingang - Ab Dienstag Mitarbeiterinformationen durch Vorstand

Wien - Während der Betriebsrat der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) bis zum 1. April übers neue, billigere, Dienstrecht verhandeln will, bemisst der Vorstand diese Frist so knapp wie bisher: Die letzte Frist für eine Verhandlungslösung läuft in den Augen der BA-CA-Spitze bis Montag, 28. Februar. Andernfalls schreitet der Vorstand noch am selben Tag zum Alleingang und lässt sein eigenes Konzept vom Aufsichtsrat absegnen.

Unabhängig vom montägigen Ausgang des Dienstrechtsstreits bricht der Vorstand unter Führung von Erich Hampel ab Dienstag nächster Woche zu österreichweiten Mitarbeiterveranstaltungen auf, um die Belegschaften in Wien und den Bundesländern persönlich zu informieren.

Tage bis zum Fristende "aktiv nützen"

"Wir sind nach wie vor mit dem Betriebsrat im Gespräch, wollen die Tage bis zum 28. Februar aktiv nützen", versicherte Bankchef Hampel am Donnerstag. Heute früh habe es Gespräche gegeben, sie würden am Nachmittag fortgesetzt. "Ich hoffe, dass wir bis Montag eine Lösung finden werden", so Hampel. Bleibt eine Einigung aus, "werden wir dem Aufsichtsrat einen eigenen Vorschlag präsentieren", kündigte er an.

Das bedeutet, dass der Aufsichtsrat - er steht noch unter Vorsitz von Gerhard Randa - Anfang nächster Woche auf jeden Fall ein neues Gehaltsrecht absegnen will, sei es mit dem Einverständnis der Belegschaftsvertretung oder eben ohne diese, wie es in der Bank heißt.

Heuer Ende des Personalabbaus

Bis Jahresende setzt die Bank Austria im Inland noch ihren Personalabbau fort. Ende 2004 waren in der Bank in Österreich 10.600 Leute beschäftigt, jetzt sind es rund 10.500. Bis Ende 2005 sollen es nur mehr 10.000 sein. Der Abbau solle vornehmlich über natürliche Fluktuation und Pensionierungen erfolgen. Bei rund 10.000 Leuten soll die Belegschaft im Land dann stabil bleiben. "Damit sehe ich dann eine Grenze erreicht", sagte Hampel heute.

Das heiße allerdings auch, dass die Kosten von da an wieder "enorm" steigen würden, wenn man nicht gegensteuere. Der Vorstand will den stark steigenden Personalaufwand im Inland einbremsen. Dazu hat er ein Paket von Vorschlägen für ein neues Dienstrecht und Gehaltsschema geschnürt. Der Betriebsrat hat die Vorstands-Vorschläge in mehreren Punkten bisher abgelehnt, will unter anderem mehrere Jahre lange Übergangsfristen für die bestehende Belegschaft. Der Vorstand hingegen will die Gehaltskurven möglichst rasch flacher werden lassen, indem die Dynamik der bisherigen automatischen Vorrückungen stark gebremst wird. Die Belegschaft hat bereits einen Streikbeschluss in der Lade, falls es nicht doch (bis zum 1. April) eine Einigung gibt.

Hampel machte heute deutlich, um welche Summen es ihm geht: "Bis zum Jahr 2010 würde der Personalaufwand in Österreich allein durch diese Dynamik um 200 Millionen Euro steigen." Stelle man diese 200 Millionen ins Verhältnis zum Vorsteuergewinn eines Jahres aus dem Österreich-Kundengeschäft (400 Mio. Euro), so sei klar, "dass wir das im Markt nicht kompensieren können". "Wir wollen den Standort Österreich und 10.000 Arbeitsplätze im Land absichern", so Hampel. "Aber ohne wettbewerbsfähiges Dienstrecht geht das nicht."

Wachstum kommt aus dem Osten

Auf Fragen, warum man denn beim Personalaufwand so dringend sparen müsse, wenn es doch auch 2004 wieder enorme Gewinnsteigerungen gegeben hat, verweist Hampel nur aufs Osteuropageschäft: "Die Ergebnisse kommen aus Osteuropa." Österreich hinke, bei allen Erfolgen, die man eingefahren habe, "deutlich nach". In Osteuropa hat die BA-CA 17.860 Mitarbeiter. Hier wurden in den letzten Jahren viele Stellen abgebaut, neu dazukonsolidiert wurden zuletzt die Akquisitionen in Serbien (Eksimbanka) und Bulgarien (Hebros). (APA)

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    Am 28. Februar endet die Frist für die Dienstrecht-Verhandlungen. Gibt es keine Entscheidung, will der Vorstand noch am selben Tag ein eigenes Konzept vom Aufsichtsrat absegnen lassen

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