Frankreich: Finanzminister kämpft gegen Rücktrittsforderungen

24. Februar 2005, 19:05
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Gaymard: "Habe eine blütenweiße Weste" - Neue Vorwürfe: Minister soll zweite Küche in Fitness-Studio umbauen lassen haben

Paris - Der französische Finanzminister Herve Gaymard ist am Donnerstag in der Affäre um sein staatlich bezahltes Luxus-Appartement in die Offensive gegangen. Er habe eine "blütenweiße Weste", sagte Gaymard in einem Interview der Tageszeitung "Le Figaro". Gegen Rücktrittsforderungen sagte der 44-Jährige, er werde sich nicht aufspießen lassen wie ein Schmetterling, während er und seine Kollegen wie wahnsinnig für die Republik arbeiteten. Er habe in dieser Angelegenheit die volle Unterstützung des französischen Präsidenten Jacques Chirac und von Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin.

Die Affäre war in der vergangenen Woche ins Rollen gekommen, als bekannt wurde, dass Gaymard, seine Frau und seine acht Kinder auf Staatskosten eine 600 Quadratmeter große Wohnung im Herzen der Hauptstadt Paris bezogen haben. Vom Staat bezahlte Unterkünfte gehören in Frankreich zu den für Minister üblichen Vergünstigungen. Anstoß hatten jedoch die Größe der Wohnung erregt sowie der Umstand, dass Gaymard als Finanzminister stetig Einsparungen im Staatshaushalt fordert. Die Miete für die Wohnung soll 14.000 Euro im Monat betragen.

Am Donnerstag wurden weitere Einzelheiten der Affäre bekannt. So berichtete die Tageszeitung "Le Parisien", die Gaymards hätten bei der Zusammenlegung zweier Appartements zu ihrer derzeitigen Luxus-Wohnung die zweite Küche zu einem Fitness-Studio umbauen lassen. Außerdem müssten zu der Miete noch die Kosten für drei Parkplätze von 15.000 Euro hinzugerechnet werden, sowie Kosten für Umbau (31.800 Euro), das Fitness-Studio (10.000 Euro) und Maklergebühren in Höhe von rund 12.000 Euro.

Gaymard hat angekündigt, aus der umstrittenen Wohnung ausziehen und für alle Kosten selbst aufkommen zu wollen. Medien und Politiker fordern seinen Rücktritt. (APA/Reuters)

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