Großer Bahnhof für die Radler: Baubeginn 2006

20. März 2006, 20:14
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Speziell auf die Bedürfnisse von Radfahrern ausgerichtet - die erste "Bike-City" wird auf dem ehemaligen Nordbahnhofgelände gebaut

Wien - Ein Schild wird wohl kaum im Hof dieser Wohnhäuser aufgehängt werden: "Radfahren innerhalb der Anlage verboten!" Die "Bike-City" wird auf dem ehemaligen Nordbahnhofgelände in der Leopoldstadt speziell für die Bedürfnisse von Radfahrern errichtet. Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) präsentierte am Donnerstag offiziell das rot-grüne Projekt, das vom Grünen Christoph Chorherr initiiert worden war (DER STANDARD berichtete).

Um das Vorhaben so rasch wie möglich abwickeln zu können, wurde kurzerhand ein bestehendes Projekt des Bauträgers Gesiba an der Ecke Vorgartenstraße/ Walcherstraße mit rund 120 Wohnungen adaptiert. Die Strategie: Die Verpflichtung von einem Parkplatz pro Wohnung wird auf die Hälfte reduziert - und mit dem so gewonnenen Geld wird im Gegenzug ein Angebot ermöglicht, das möglichst alle Radlerwünsche erfüllt.

Ganzes Erdgeschoss dem Thema Rad und Wellness gewidmet

Die ganze Erdgeschosszone wird dem Thema Rad und Wellness gewidmet: Fahrradverleih, Reparaturdienste, Werkstätten drinnen und im Freien, ein Fahrradverleih, extra große Aufzüge für die Radmitnahme und vor jeder Wohnungstüre ein eigener Radl-Parkplatz, erläutert die Projektleiterin, Architektin Claudia König.

Offen ist derzeit noch, ob es einen Indoor-Pool geben wird, jedenfalls gibt's aber für die geschundenen Wadeln: Sauna, Dampfbad, Ruheraum, Solarium, Fitnessraum und eine Ruheterrasse im Innenhof. Für dieses Angebot könne auch eine Klubmitgliedschaft für Bewohner der Nachbarhäuser angeboten werden, überlegt Gesiba-Generaldirektor Ewald Kirschner.

Für jene, die hin und wieder ein Auto brauchen, soll Car Sharing angeboten werden, so Kirschner. Eine Auto-Verzichtserklärung wie in der "autofreien Siedlung" werden die Mieter aber nicht unterzeichnen müssen.

"Rad inzwischen Alltagsverkehrsmittel"

"Dieses Projekt trägt der Tatsache Rechnung, dass das Rad inzwischen ein Alltagsverkehrsmittel ist. Es gibt in Wien nur noch eine Rad-Zählstelle, bei der der Wochenen-Radverkehr überwiegt", argumentiert Schicker. Chorherr hofft nun, dass die künftigen Mieter bei der Nutzung von Gemeinschaftsräumen mitbestimmen können. Und: "Dass es bei großem Interesse nicht bei diesem einen Projekt bleibt." Genau das stellen auch Schicker und Kirschner in Aussicht.

Baubeginn der Bikecity soll 2006 sein - für Interessierte gibt es eine eigene Mailadresse: bike.city@gruene.at
(frei, DER STANDARD - Printausgabe, 25. Februar 2005)

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