Arktis: Veränderte Wasserzirkulation führte zur Eis-Entstehung vor 2,7 Millionen Jahren

27. Februar 2005, 19:27
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Forscher: Zuvor erwärmten sich die oberen Pazifikschichten paradoxerweise

Potsdam - Eine veränderte Wasserzirkulation im Pazifischen Ozean hat offenbar zur Entstehung des arktischen Eises vor 2,7 Millionen Jahren und zur Eiszeit auf der Nordhalbkugel geführt. Das stellten Forscher des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung und des Geoforschungszentrums Potsdam mittels Modellrechnungen und erdgeschichtlicher Klimadaten fest.

Erwärmung

Die Wissenschafter wollen herausfinden, warum die Eisschichten auf der Nordhalbkugel um so viel jünger sind als die mehr als 30 Millionen Jahre alte Antarktis. Im Wissenschaftsmagazin "Nature" schrieben die Forscher, dass der Eisbildung paradoxerweise eine Erwärmung der oberen Schichten des Nordpazifiks um mehr als sieben Grad im Sommer und Herbst vorausging.

Wegen der höheren Verdunstung sei der Ozean damit vor 2,7 Millionen Jahren zur entscheidenden Feuchtigkeitsquelle für den amerikanischen Eisschild und die gesamte Nordhalbkugel geworden. Denn kalt genug war es auch am Nordpol bereits seit 14 Millionen Jahren. Dies hatten erdgeschichtliche Klimadaten aus Tiefenbohrungen ergeben.

"Süßwasserdeckel"

Der These der Potsdamer Klimaforscher zufolge reichte jedoch vor allem die Feuchtigkeit nicht aus, um Gletscher wachsen zu lassen. Erst vor 2,7 Millionen Jahren bildete sich danach im vorarktischen Nordpazifik bis in Wassertiefen zwischen 50 und 200 Metern ein so genannter "Süßwasserdeckel". Die Ursache dafür ist noch unbekannt. Daraufhin zirkulierte das Wasser nur noch innerhalb dieser weniger salzhaltigen Schicht - und nicht wie vorher bis in mehrere Kilometer Tiefe. Die jahreszeitlich bedingte Temperatur an der Wasseroberfläche schwankte dadurch stärker.

So ergaben Modellrechnungen der Forscher für den Spätsommer und den Herbst eine bis zu sieben Grad höhere Wassertemperatur. In der Folge verdunstete mehr Wasser über dem Meer und kondensierte an Land. Im Winter dagegen kühlte sich die Ozeanoberfläche stärker ab - und auch die Temperatur auf der Erde sank drastisch.

Pulsschlag des Klimas

"Eine permanente Eiskappe überzog fortan die Nordpolarregionen, und kilometerdicke Eisschilde bedeckten außer Grönland auch große Teile Nordamerikas, Nordasiens und Skandinaviens", schrieben die Klimaforscher. Seitdem habe sich der Pulsschlag des Klimas auf einen fortwährenden Wechsel zwischen Kalt- und Warmzeiten eingependelt, bei insgesamt eher niedrigen Temperaturen. (APA/AP)

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