Albertina: Tiertransport ohne Genehmigung

25. Februar 2005, 11:55
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Dürers "Feldhase" ist widerrechtlich in Madrid

Wien – Die Ausstellung mit "87 der bedeutendsten Zeichnungen und Grafiken Albrecht Dürers" inklusive des Feldhasen aus dem Bestand der Albertina, die am 8. März im Museo del Prado in Madrid eröffnet werden sollte, wird unter Umständen nicht stattfinden: Das Bundesdenkmalamt lehnte, wie bereits in einem Teil der Donnerstagsausgabe berichtet, die "vorübergehende Ausfuhr" der Kunstwerke ab.

Laut Gesetz kann eine Genehmigung nur dann erteilt werden, wenn die "unversehrte Rückkehr des Gegenstandes ins Inland als gesichert angenommen werden kann". Im Falle der hoch empfindlichen Blätter, die nur zu ganz speziellen Ereignissen aus dem Depot geholt werden (wie zum Beispiel der Albertina-Wiedereröffnung vor zwei Jahren), ist eine "unversehrte Rückkehr" aber nicht zu erwarten. Der berühmte Feldhase wurde daher noch nie verliehen.

Für erhebliche Entrüstung sorgt im Bundesdenkmalamt zudem die Vorgangsweise: Um eine Ausfuhrgenehmigung von insgesamt 94 Dürer-Werken wurde erst am 15. Februar angesucht. Zu diesem Zeitpunkt sei aber bereits der erste Transport – jener mit dem Feldhasen – im Madrid eingelangt gewesen. Eva-Maria Höhle, Generalkonservatorin des Bundesdenkmalamts, beteuert, keine Prinzipienreiterin zu sein: "Wir sind mit der normativen Kraft des Faktischen konfrontiert worden. Aber wir können die Verantwortung nicht mittragen."

Gegen den negativen Bescheid, am Mittwoch zugestellt, legte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder postwendend beim übergeordneten Bildungsministerium Berufung ein. Ministerin Elisabeth Gehrer ließ über ihren Pressesprecher ausrichten, sich heraushalten zu wollen: Der brisante Fall landete bei der zuständigen Sektionschefin Brigitte Böck.

Bisher wurde noch nie ein Bescheid des Denkmalamtes aufgehoben. Sollte das Ministerium die Entscheidung akzeptieren, wäre Schröder gezwungen, die Kunstwerke unvorzüglich nach Österreich bringen zu lassen. Die Ausstellung müsste abgesagt werden. In der Folge wäre auch die geplante Schau in Washington gefährdet: In der National Gallery sollen ab 2. Oktober, wie Schröder in der Vorwoche stolz verkündete, gar "120 Meisterwerke Dürers aus der Albertina" gezeigt werden. Weder Schröder noch sein Stellvertreter oder der Pressesprecher war den ganzen Donnerstag zu erreichen.

Für Besorgnis Anlass gibt auch Wilfried Seipel, der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums: Er will Ende März wieder einmal die Malkunst, das einzige Gemälde von Vermeer in Österreich, verleihen. Diesmal nach Den Haag.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2005)

Von
Thomas Trenkler
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