Grundzüge für Diagonale 05 präsentiert

2. März 2005, 21:17
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Entwickelte Schwerpunkte, Personalen und Diskussionsangebote - auch zum "Gedankenjahr"

Wien/Graz - Eine Woche vor Bekanntgabe des detaillierten Programmes der Diagonale 05, die von 14. bis 20. März in Graz stattfinden wird und wo sich erstmals auch das neue Leitungsteam des Festival des österreichischen Films präsentiert, stellte Diagonale-Intendantin Birgit Flos in einem Gespräch mit der APA dessen Grundzüge vor. Und das Motto "...und alle dürsten nach Liebe" - versöhnliche Töne nach den Querelen rund um die Bestellung der Intendanz.

239 Filme, inklusive Spezialprogramme

"Die thematischen Schwerpunkte ergeben sich aus den Einreichungen. Und da haben sich innerhalb des Programms sehr schöne Querverbindungen entwickelt", so Flos. Grundsätzlich habe man die Strategie der Werkschau beibehalten. Das heißt, dass alle österreichischen Filme gezeigt werden, die im Vorjahr einen regulären Kinoeinsatz hatten, und zusätzlich eine Auswahl aus jenen Filmen getroffen wird, die erst bis Februar fertig werden. Was von letzteren diesmal nicht ausgewählt wurde, aber 2005 ins Kino kommt, wird automatisch 2006 aufgenommen.

"Wir suchen nicht gute oder schlechte Filme aus, sondern wir versuchen ein Programm zusammen zu stellen. Und das Programm entwickelt sich, während wir sichten", betont Flos, "Unter Umständen interessiert uns das geniale Scheitern, also wenn jemand etwas riskiert und für sich persönlich filmisch zu formulieren versucht hat, mehr als ein gut gemachter, aber glatter Film."

Insgesamt 239 Filme, inklusive alle Spezialprogramme, hat die Programmkommission (neben Flos der Diagonale-Geschäftsführer für Produktion Robert Buchschwenter, die Wiener Kultur- und Gesellschaftskritikerin Araba Evelyn Johnston-Arthur, der Journalist Hans-Christian Leitich [derStandard.at, actually - Anm.] und Andrea Pollach vom Diagonale-Presseteam) für 2005 ausgesucht. Stark gewachsen ist der Bereich Kurz-, Experimental- und Animationsfilm und die Zahl der dokumentarischen Arbeiten. "Das liegt an den Einreichungen, nicht etwa an meinen Vorlieben", beteuert Flos.

Spielmann, Gaube, Machaty, Türkei

Noch einmal gezeigt wird Götz Spielmanns "Antares", der voriges Jahr als Eröffnungsfilm, aber in keiner weiteren Vorführung lief und auch medial, so Flos, nicht entsprechend gewürdigt wurde. Außerdem ist Spielmann heuer die neue Schiene "Earlier Works" gewidmet, in der jeweils frühere Arbeiten jenes Regisseurs präsentiert werden, der den Eröffnungsfilm des Vorjahres gedreht hat. Nächstes Jahr wird das also Jörg Kalt sein, dessen "Crash Test Dummies" das diesjährige Festival eröffnen.

Ein weiteres kleines Special ist dem Künstler-Porträtisten Wilhelm Gaube gewidmet. Und das Filmarchiv Austria hat zusammen mit Synema ein Programm zu Gustav Machaty ("Ekstase") kuratiert, das mit einem von Sixpackfilm zusammen gestellten Schwerpunkt zur "Ikonographie der Lust" korrespondiert. Von dort ist auch "...und alle dürsten nach Liebe" entlehnt: Der Untertitel von Machatys Film "Nocturno" wird als "Motto auf einem emotionalen Level" auf allen Tickets stehen und auch im Trailer vorkommen, so Flos, denn "Ein Film der mich nicht berührt, interessiert mich weniger."

Darüber hinaus gibt es dieses Jahr keine größere Personale. Dafür einen Türkei-Schwerpunkt mit Independent-Filmen, und einen neu eingeführten Diagonale-Workshop, der sich dem Filmhandwerk widmet. Zum Auftakt geht es heuer um den Schnitt, wofür u.a. die CutterIn Denise Vindevogel ("Darwin's Nightmare") und Anders Revn ("Breaking the Waves") eingeladen wurden, in den kommenden Jahren will man sich z.B. mit Ton oder Drehbuch beschäftigen.

Diskussionsangebote

Angekündigt hatte das neue Leitungsteam (neben Birgit Flos und Robert Buchschwenter der Geschäftsführer für Finanzen, Georg Tillner) im Vorjahr auch eine stärkere "Diskursivität" der Diagonale. Dem entsprechend gibt es heuer "fast ein Überangebot" an Diskussionen, so Flos, unter anderem im Forum Stadtpark, das als neue Location gewonnen wurde. Dem Thema TV-Dokumentationen beispielsweise ist eine "Sehstation" mit Filmen und Diskussionen im Kunsthaus gewidmet. Es gibt Projekte für Studenten, etwa ein Seminar zu Filmkritik, und erstmals eigene Schülervorstellungen. Entwickelt wurden auch Unterrichtsmaterialien zum österreichischen Film.

Darüber hinaus werden zu ausgesuchten Filmen "Materialien" aufgelegt, die auch online abrufbar sind und mit der Zeit zu einem Archiv wachsen sollen. Und auf der Diagonale-Website wurde mit "dialog" ein Diskurs-Forum zu einem brisanten Thema geschaffen, das sich auf dem jeweils vorhergehenden Festival entwickelt hat. "dialog 01" beschäftigt sich mit dem Recht auf das eigene Bild. Auslöser war die Doku "Go back to Africa", die im Vorjahr von der Diagonale zurückgezogen worden war, nachdem Betroffene sich darüber beschwert hatten, dass sie gefilmt worden waren.

"Gedankenjahr 2005"

Eine Doku über die "Operation Spring" von Tristan Sindelgruber und Angelika Schuster oder "Nathalies Geschichte", ein Interview mit der Witwe des bei einem Polizeieinsatz getöteten Seibane Wague, seien Beispiel für Querverbindungen im Programm, so Flos. Einen anderen, ebenfalls nicht geplanten Schwerpunkt bilden mehrere Filme, die sich mit dem Systemwechsel in ehemals kommunistischen Staaten beschäftigen. Querverbindungen zum Türkei-Schwerpunkt stellen Dokus wie "Das Arrangement" von Nathalie Borgers über Wiener Türken der zweiten Generation her, aber auch eine Ausstellung türkischer Medienkünstler im Grazer Medienturm und türkische DJs im Rahmen der Nightline. Zum "Gedankenjahr 2005" gibt es ein Filmarchiv-Programm u.a. mit Wochenschauen und eine von Diskussionen begleitete Vorführung des ersten jugoslawischen Partisanenfilms. Angesprochen auf das Verhältnis zum Kunsstaatsekretariat unter Franz Morak meinte Birgit Flos: "Das ist ein funktionales Verhältnis und es ist okay." Der Bund fördert das Festival wieder wie vor dem Richtungsstreit des Jahres 2003. Und auch von den Finanznöten der Stadt Graz ist die Diagonale nicht betroffen. (APA)

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