Neue Ermittlung über Papst-Attentat

25. Februar 2005, 19:00
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Italienische Parlamentskommission nimmt Untersuchungen auf - Verwicklung des sowjetischer Geheimdienst sollen ergründet werden

Rom - Eine italienische Parlamentskommission, die über Spionageaktivitäten der UdSSR in Italien ermittelt, will eine neue Untersuchung über die Hintergründe des Anschlags auf den Papst am 13. Mai 1981 aufnehmen. Die Untersuchung soll auf Grund der Aussagen des Papstes über den Anschlag aufgenommen werden, die im neuen Buch des Heiligen Vaters "Gedächtnis und Identität: Gespräche zwischen Jahrtausenden" veröffentlicht wurden.

Der Präsident der Parlamentskommission, Paolo Guzzanti, will erforschen, ob sowjetische Geheimdienste den Papst-Attentäter, den Türken Ali Agca, bewaffnet haben, berichtete die Mailänder Tageszeitung "ll Giornale" in ihrer Donnerstag-Ausgabe. "Der Papst selbst hat im Buch den ideologischen Hintergrund des Anschlags hervorgehoben", betonte Guzzanti.

Interner Krieg

Die Kommission geht davon aus, dass Hintergrund des Anschlags ein interner Krieg zwischen dem einflussreichen Spionageabwehrdienst KGB und dem Geheimdiensten des sowjetischen Heeres, dem GRU, gewesen sei. Der GRU könnte den Anschlag organisiert haben, um den KGB unter Druck zu setzen, vermutet Guzzanti. Nach dem Anschlag war der KGB international arg unter Druck gesetzt worden.

"Beim Papst-Attentat ist der Bewegungsgrund das einzig Sichere. Es war sofort klar, dass es sich um einen politischen Anschlag handelte. Der Pontifikat von Johannes Paul II war der erste Grund des Zusammenbruchs des Kommunismus", so Guzzanti.

In den persönlichsten Passagen seines Buchs schreibt der gebürtige Pole, wie ihm sein Glaube geholfen habe, die Schmerzen nach dem Attentat zu ertragen. Er erinnere sich an die Fahrt ins Krankenhaus. "Ich war für einige Zeit bei Bewusstsein. Aber ich hatte ein Gefühl, dass ich überleben würde. Ich litt, ich hatte Grund, mich zu fürchten, aber ich hatte dieses sonderbare Gefühl von Vertrauen." Schon der Titel des Abschnitts ("Jemand hat diese Kugel geleitet...") deutet an, warum dieses blutige Kapitel am Ende dieses Buches steht: Aus der Sicht des Papstes war das Attentat kein Zufall, sondern ein "Zeichen der göttlichen Gnade". (APA)

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    Am 13. Mai 1981 wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche angeschossen.

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