Über die Hürden zur eigenen Frauenvorsorge

23. Februar 2005, 19:25
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Die Finanzwirtschaft hat Frauen als Zielgruppe entdeckt

Vielfach bestehen aber noch lebens- oder erfahrungsbedingte Hürden, Erspartes für sich arbeiten zu lassen und sich in der Produktwelt umzusehen. Die Angebote werden jedenfalls mehr.

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Frauen haben es nicht so mit eigenständiger finanzieller Vorsorge - zumindest, wenn man den Klagen der ExpertInnen glauben darf. Beispielsweise ist nur ein Viertel aller PrivateBanking-KundInnen der Erste Bank weiblich.

Erst, wenn es um die Veranlagung größerer Beträge geht, wenden sich Frauen üblicherweise an FinanzberaterInnen - ganz im Gegensatz zu Männern, die sich schon bei kleineren Veranlagungen beraten lassen. Das ist schlecht, angesichts steigender Pensionsalter, hoher Arbeitslosigkeit und geringerer Arbeitsplatzsicherheit.

Die Erwerbsbiografien von Frauen sind oft sehr unregelmäßig, bedingt durch Babypause und Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Job. Oft kommt lange Arbeitslosigkeit dazu, weil Frauen in vielen Branchen bereits ab Mitte 30 als "schwer vermittelbar" gelten - umso wichtiger sei eben die eigenständige Vorsorge.

Warum tun "es" Frauen nicht?

Warum Frauen "es" dennoch nicht tun, oft wider besseres Wissen, interessierte den schwedischen Finanzdienstleister Skandia, der seit zehn Jahren auch in Österreich tätig ist.

Skandia beauftragte die Markt- und Motivforscherin Sophie Karmasin mit einer Untersuchung über "Vorsorge bei Frauen". Die Ergebnisse sind für Produktschmieden und VermittlerInnen erhellend - zusammengefasst könnte in Richtung der VorsorgeexpertInnen durchaus behauptet werden: Selbst schuld, dass ihr nicht mehr Frauen ansprecht.

Denn viele der befragten Frauen zwischen 25 und 40 Jahren nannten "zu wenig Kenntnis über die Produktpalette" und "schlechte Erfahrungen bei der Erstinformation".

Die Banken, meinten einige Befragte, "wollen einem das immer nur einreden und verdienen selbst am besten daran". Darüber hinaus nannten viele auch "momentan andere Prioritäten", wie Hausbau, Kauf einer Eigentumswohnung, Abschluss einer Krankenzusatzversicherung (auch wegen der Kinder) und die leichtere Verfügbarkeit des Ersparten, wenn es nur auf dem Sparbuch "geparkt" ist.

"Wir haben uns diese Studie sehr zu Herzen genommen", sagt Bernd Hartweger, zuständig für Marketing und Vertrieb bei der Skandia Austria Holding AG. Seit 2001 konzentriert sich Skandia schon auf zielgruppenorientiertes Investment, seit zwei Jahren gibt es ein eigens auf Frauenbedürfnisse zugeschnittenes Produkt namens "Lady's First".

Flexibilität

Und zwar deshalb, so Hartweger, "weil Frauen Flexibilität brauchen". So gibt es die Möglichkeit, Prämienpausen einzulegen - ob nun wegen Kinderkarenz oder anderer Gründe, die Möglichkeit, einen Teil des Kapitals vorzeitig herauszunehmen, und Sicherheit in der Kapitalgarantie, also lange Laufzeit, hohe Gewinnchancen und einen "Fallschirm", falls die Werte nach unten gehen. Mittlerweile werden solche Frauenprodukte von praktisch allen Versicherern angeboten.

Vor Einführung von "Lady's First" waren übrigens 63 Prozent der österreichischen Skandia-KundInnen Männer und nur 37 Prozent Frauen. Heute ist die Gender-Durchmischung 50 : 50 - wobei nur eine knappe Mehrheit der Frauen, etwa 55 Prozent, sich im Endeffekt für das "Frauenprodukt" entschieden hat. Was wiederum beweist: Wenn die Einstiegshürde einmal genommen ist, geht vieles leichter, auch das Vorsorgen.

Direkt vergleichen lassen sich mit "Lady's First" vor allem "FrauenINVEST" von Aspecta, die Frauenstartpension der Donau-Versicherung, die Finance-Life-Frauen/Single-Vorsorge sowie "Woman Plus" der Wiener Städtischen.

Sie alle haben als oberstes Prinzip "Flexibilität" gemeinsam, unterscheiden sich jedoch in den Details: bezüglich PartnerInmitversicherung - ja oder nein, Zusatzgeburtengeld, Prämienbewertung in der Beitragspause oder Kapitalentnahmebedingungen.

Kindervorsorge

Ähnlich spezifisch sind die Interessen der AnlegerInnen, wenn es um Vorsorge für die lieben Kleinen geht. Da ist das Thema vor allem der Versicherungsschutz. Laufzeiten von 15 oder 18 Jahren sind hier die Regel. Sollte der/die BeitragszahlerIn vor Ablauf dieser Laufzeit sterben, wird der angesparte Betrag nicht (wie bei einer "normalen" Lebensversicherung) ausgeschüttet, sondern der Versicherer zahlt weiter für das Kind - etwa bei den Skandia-Produkten "Teddy cool" und "Teddy smart", in beiden Fällen Investmentfonds, die mit einer Lebensversicherung gekoppelt sind. Ab 50 Euro im Monat ist man dabei, die Maximalvertragslaufzeit beträgt 25 Jahre.

Eine ähnliche Risikoabdeckung gewährt auch die Ausbildungsvorsorge "Junior-Care" der Bank Austria Creditanstalt. Da wird bei Vertragsabschluss ein Ansparziel vereinbart, dieses wird von der Bank garantiert - auch für den Fall, dass der Vorsorger den vereinbarten Termin nicht mehr erlebt.

Mit Bausparen kommt man ebenfalls sehr weit. Mit 30 Euro pro Monat und einer Laufzeit von 18 Jahren kann man für Filia und Filius rund 8400 Euro ansparen (wenn die Prämie gleich bleibt und das Zinsniveau etwa 3,5 Prozent beträgt). Beim Fondssparen ist der Ertrag natürlich unterschiedlich hoch, je nach Risiko: Bei monatlich 30 Euro liegt die Ertragsspanne etwa zwischen 10.000 und 13.000 Euro (in 18 Jahren).

Eine Möglichkeit ist auch die geförderte Lebenspension: Bei gleich bleibender jährlich erwarteter Wertsteigerung von sechs Prozent kann man bei 30 Euro monatlich nach 18 Jahren circa 13.000 Euro erwarten. Und dann gibt es noch das gute, alte Bestzinssparbuch. Auch da kommt, wenn man brav monatlich einzahlt und lange Geduld hat, durch die Zinseszinseffekte am Ende doch noch eine ganz nette Summe zusammen. (DER STANDARD, Printausgabe 24.02.2005)

Petra Stuiber
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