"Bella Gloggnitz"

25. Februar 2005, 14:57
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Gloggnitzer Bürgermeister Müllner (SPÖ) erklärt im STANDARD-Interview, wie er seinen Ort zum Urlaubsziel für Steuerreform-Enttäuschte machen will

STANDARD: Herr Müllner, als Bürgermeister von Gloggnitz laden Sie alle Urlauber auf ein Glas Prosecco ein. Warum?
Müllner: Die Regierung wirbt für die Steuerreform damit, dass man sich jetzt endlich einen Sommerurlaub in Italien leisten kann. Wir haben nach gerechnet: Mit durchschnittlich elf Euro Steuerersparnis pro Monat geht sich aber keine Bahnkarte zweite Klasse nach Italien aus, sondern eben nur eine bis Gloggnitz.

STANDARD: Wie kommen Sie auf elf Euro?
Müllner: Bei einem Bruttoein kommen von 2200 Euro ergibt die Steuerreform eine monatliche Entlastung von rund elf Euro oder 140 Euro pro Jahr. Die Bahnkarte von Wien nach Gloggnitz kostet hingegen 11 Euro 30 Cent. Also lieber Bella Gloggnitz als Bella Italia.

STANDARD: Sie wollen sich also als Urlaubszufluchtsort für von der Steuerreform Gebeutelte etablieren?
Müllner: Es ist eine Gelegenheit, Gloggnitz bekannt zu machen. Jeder kennt das Semmeringgebiet, und wir liegen eben am Ausgangspunkt. Es haben sich auch schon ein paar Urlauber angekündigt, der Prosecco steht bereit.

STANDARD: Das ist aber nur ein kleiner Ersatz für italienisches Lebensgefühl?
Müllner: In erster Linie wollten wir natürlich die Steuerreform aufs Korn nehmen. Mit einem echten Tourismus boom rechne ich nicht. Aber: Wer in einem Nachbarort auf Urlaub ist, in Reichenau oder Spital am Semmering, kann auch auf ein Glas vorbeikommen. Übrigens hat Gloggnitz auch im Jubiläumsjahr Bedeutung.

STANDARD: Wieso?
Müllner: Am 2. April werden der Bundespräsident Heinz Fischer, SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hier sein, um daran zu erinnern, dass vor 60 Jahren Karl Renner in Gloggnitz gewirkt hat und hier die ersten Schritte zur Zweiten Republik gemacht wurden.

STANDARD: Und für die gibt es auch alle ein Glas Sekt?
Müllner: Auch, ja. Wir erinnern daran, dass Renner in Gloggnitz das Kriegsende abgewartet hat.

STANDARD: Kommen Ihre Parteifreunde auch um elf Euro nach Gloggnitz?
Müllner: Die kommen sicher mit dem Dienstauto. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2005)

Das Interview führte Barbara Tóth

Zur Person

Werner Müllner erreichte bei den letzten Gemeinderatswahlen 57,9 Prozent der Stimmen.

  • Bürgermeister Müllner hat nachgerechnet: Mit den 11 Euro Stuerersparnis pro Monat kommt man nur bis Gloggnitz.
    foto: der standard

    Bürgermeister Müllner hat nachgerechnet: Mit den 11 Euro Stuerersparnis pro Monat kommt man nur bis Gloggnitz.

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