Der Faktor Arbeit

    23. Februar 2005, 18:48
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    Nachhaltigkeit und Beschäftigung: Keine simple "entweder-oder"-Situation

    Die Mehrdimensionalität von Nachhaltigkeit ist längst "mainstream", vor allem im wissenschatlichen Diskurs, weniger noch in der politischen und betrieblichen Praxis. Ursprünglich meinte Nachhaltigkeit primär "ökologische Nachhaltigkeit", und löste als aktives Konzept die älteren, eher passiv ausgerichteten Ziele des Umweltschutzes ab. Mittlerweile steht außer Frage, dass ökologische Nachhaltigkeit nicht im Gegensatz, sondern ergänzend neben den Dimensionen wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeit steht. Für diese drei Dimensionen der Nachhaltigkeit sind jeweils spezifische Zielsetzungen und Indikatoren relevant, allerdings auch quantitativ und qualitativ nur sehr unterschiedlich messbar.

    Wechselwirkungen zwischen Nachhaltigkeit und Beschäftigung

    Ob bei der Verbindung von Zielsetzungen für mehr und bessere Beschäftigung mit ebenfalls steigender Nachhaltigkeit das eine oder das andere Prinzip im Vordergrund steht, macht einen großen Unterschied. Die jeweiligen Zielsetzungen und Indikatoren weisen in verschiedene Richtungen: Ein Gewinn an Nachhaltigkeit (ökologisch und /oder wirtschaftlich) kann sowohl zu abnehmeder wie auch zu zunehmnder Beschäftigung führen. Die Nachhaltigkeit so geschaffener Beschäftigung ist jedoch wiederum ein eigenes Thema. Sie kann beispielsweise von öffentlichen Förderungen abhängig und bei deren Wegfall nur kurzfristig statt langfristig wirksam sein. Umgekehrt können vergleichbare Wechselwirkungen auch bei abnehmender ökologischer Nachhaltigkeit auftreten. Das ist einerseits der Fall, wenn "Boom-Industrien" auf Raubbau an Ressourcen aufgebaut sind, dafür aber Arbeitsplätze entstehen. Andererseits führen rückständige Industrien und Infrastrukturschwächen in einer Region oder in bestimmten Wirtschaftszeigen neben minderer Nachhaltigkeit überdies zu schrumpfenbder Beschäftigung.

    Im Gesamtsystem der Arbeitsmärkte gibt es daher gegenüber Interessen an wirtschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit durchaus Widersprüche – aber es besteht keine simple "entweder-oder"-Situation: In konkreten Fällen ökologischer Maßnahmen (durch Gesetzgebung, öffentliche Förderungen und Standardisierung seitens korporativer und betrieblicher Vereinbarungen) muss zur Entfaltung dieser Dimension der Nachhaltigkeit Unterstützung für neue Beschäftigung kommen. Steigende bzw. stabil hohe Beschäftigung kann als der zentrale, wenngleich nicht alleinige Indikator für die Nachhaltigkeit sozialer Systeme betrachtet werden. Zur Stärkung solcher Kombinationen beiderseits positiv wirkender Strategien und Trends bedarf es sowohl adäquater Rahmenbedingungen wie auch der Vorbildwirkung guter und erfolgreicher Beispiele.

    Institutionen und strukturelle Bedingungen Auf europäischer Ebene bestehen eine Reihe von Ratsbeschlüssen mit nachfolgenden Strategien und Aktionsplänen zur Verbindung von Beschäftigungs- und Umweltpolitik: Die wichtigsten Stationen bezeichnen der Rat von Luxemburg (1997) zur Beschäftigungspolitik, der Rat von Lissabon (2000) zur Wettbewerbsfähigkeit bei gleichzeitig mehr und besserer Beschäftigung, sowie der Rat von Göteborg (2002), durch den die Ziele der Lissabon-Strategie um soziale und ökologische Dimensionen erweitert wurden. Weiters gilt seit diesen Tagen das Kyoto-Abkommen und hat die UNO bereits im Jahr 1999 zur Einhaltung eines "Global Compact" aufgerufen. Danach soll eine Allianz zwischen Politik und Wirtschaft die weltweiten Standards in Bezug auf Beschäftigung, Wirtschaft und Umwelt anheben.

    Wie allerdings eine Analyse nachfolgender Umsetzungsmaßnahmen zeigt, werden zumeist die Einzelziele immer weiter separiert und kristallisieren sich in der Praxis betrieblicher Umsetzung klare Prioritäten – Gewinnoptimierung und Wachstum vor Beschäftigung und ökologischer Nachhaltigkeit – heraus.

    Innovation als Bindeglied zwischen Nachhaltigkeit und Beschäftigung

    In zahlreichen Kommentaren werden Erfahrungen, Fallbeispiele und weit reichende Strategien von lokalen Projekten bis hin zur Konzeption eines globalen Marshall-Plans vorgestellt. Für alle Reichweiten von Initiativen, ebenso wie zur Herstellung und Sicherung positiver Wechselwirkungen zwischen Nachhaltigkeit und Beschäftigung, bietet sich als Drehscheibe ein umfassender Innovationsbegriff (Verschränkung von innovativen Produkten und Verfahren mit sozialen und organisatorischen Innovationen) an: Nachhaltigkeit ist bzw. erfordert Innovationen in allen Formen, Innovationen wiederum sind der Schlüssel zu mehr und besserer Beschäftigung.

    Links und Angebote von downloads ergeben eine umfangreiche Materialsammlung, wobei neben wissenschaftlichen Informationen und Praxisberichten die internationale Relevanz besonders hervorgehoben wird.

    Der Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Beschäftigung ist Thema des Monats Februar 2005 im Internetportal

    Logo: Nachhaltigkeit.at
    Eine Initiative des Lebensministeriums



    Der Autor:

    Josef Hochgerner arbeitet am Zentrum für Soziale Innovation in Wien

    Direkt-Link zum Monatsthema 2/2005
    (mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
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