Frankreich: Neue Vorwürfe gegen Gaymard in Dienstwohnungs-Affäre

24. Februar 2005, 14:28
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Umbau der Wohnung des Wirtschafts- und Finanzminister habe die Steuerzahler 150.000 Euro gekostet - Finanz­ministerium: Rücktritt "nicht auf der Tagesordnung"

Paris - Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Herve Gaymard gerät in der Affäre um seine 600 Quadratmeter große Dienstwohnung immer stärker unter Druck. Sein Ministerium dementierte am Mittwoch Spekulationen über einen Rücktritt. Zuvor hatten Zeitungen berichtet, Gaymard besitze selbst eine Großwohnung in Paris.

Der Minister, ein treuer Gefolgsmann von Staatspräsident Jacques Chirac, hatte in der vergangenen Woche einen Fehler eingestanden und die monatlich 14.000 Euro teure Maisonette-Wohnung in der Nähe der feinen Avenue Montaigne geräumt. Gaymard bestätigte, dass er Besitzer einer 200 Quadratmeter großen Wohnung sei. Diese sei jedoch seit 2002 für 2.500 Euro vermietet, die Einnahmen würden ordnungsgemäß versteuert.

Er werde aus eigener Tasche für alle Kosten aufkommen, die durch die Kündigung seines Mietvertrags und den Umbau der Maisonette-Wohnung für die Bedürfnisse seiner zehnköpfigen Familie entstanden seien, versicherte der Minister in einer Presseerklärung. Der Durchbruch zwischen zwei 300 Quadratmeter großen Etagen und der Einbau einer Treppe habe 31.800 Euro gekostet.

Laut "Canard enchaîné" wurde die Wohnung für Gaymard, seine Frau und seine acht Kinder auf Kosten der französischen Steuerzahler für insgesamt 150.000 Euro hergerichtet. Auf Rechnung des Ministeriums ließen sich die Gaymards nicht nur eine Küche einbauen, sondern selbst Käse anliefern.

Premierminister Jean-Pierre Raffarin wollte sich am Mittwoch nicht äußern. Regierungssprecher Jean-François Copé erinnerte daran, dass Gaymard die Wohnung geräumt und Premier Raffarin neue Richtlinien für die Regierungsmitglieder erlassen habe. Der Staat zahlt einem Minister jetzt nur noch 80 Quadratmeter plus 20 Quadratmeter pro Kind. Verkehrsminister Gilles de Robien und Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie unterstrichen, die Affäre sei mit dem Auszug Gaymards beendet. (APA/AP/dpa)

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    Neue Vorwürfe gegen den französischen Wirtschafts- und Finanzminister Herve Gaymard.

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