Del Ponte bekräftigt: Flüchtiger Ex-General Gotovina ist in Kroatien

24. Februar 2005, 11:09
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Kroatischer Premier Sanader: Ergebnisse der Suche nach Gotovina in einigen Wochen

Wien/Zagreb/Brüssel - Die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Carla Del Ponte, hat bekräftigt, dass sich der flüchtige kroatische Ex-General Ante Gotovina ihren Informationen nach in Kroatien aufhält. In einem Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal vom Mittwoch sagte Del Ponte, der wegen Kriegsverbrechen angeklagte Gotovina "könnte sich nirgends so gut verstecken, wie er es in Kroatien tut". In dem Land werde er von vielen als Held betrachtet - "also warum sollte er sich anderswo aufhalten, wo er mehr riskiert?"

Gotovina sei "unter dem Schutz von einer gewissen Schicht der Bevölkerung und den Behörden" noch immer auf freiem Fuß, fügte Del Ponte hinzu. "Wir wissen, dass Kroatien versucht, etwas zu tun, aber wir wissen (auch), dass die Regierung es zuerst vorzieht, dass er sich selbstständig stellt."

Hinsichtlich des ebenfalls wegen Kriegsverbrechen angeklagten bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic und dessen Ex-Militärchefs Ratko Mladic sagte die UNO-Chefanklägerin, es sei "ein Skandal, dass im Juli die Kommemoration von Srebrenica stattfindet", während sich Karadzic und Mladic noch immer auf der Flucht befänden. "Ich habe es auch einigen Behörden gesagt: Man sollte nicht wagen, das Gesicht in Srebrebnica zu zeigen, wenn man Karadzic und Mladic nicht verhaftet hat", meinte Del Ponte. In der früheren Moslem-Enklave waren im Juli 1995 mehr als 7.000 Bosniaken von bosnisch-serbischen Truppen getötet worden.

Sanader: Ergebnisse der Suche nach Gotovina in einigen Wochen

Kroatien wird in einigen Wochen die Ergebnisse der Suche nach dem flüchtigen General Ante Gotovina präsentieren. Das kündigte der kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader am Dienstagabend in Brüssel an. Einem Bericht des kroatischen Fernsehens zufolge traf Sanader in Brüssel den luxemburgischen Regierungschef und aktuellen EU-Ratsvorsitzenden Jean-Claude Juncker nach Abschluss des EU-USA-Gipfels.

Bei dem Treffen informierte Juncker Sanader und seine Kollegen demnach über den Gipfel. Danach führte der kroatische Premier bilaterale Gespräche mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Sanader sagte seinen Gesprächspartnern, "dass Kroatien alles Mögliche tun werde, um diesen letzten Fall in der Kooperation mit dem UNO-Tribunal zu lösen".

Sanader (Kroatische Demokratische Gemeinschaft/HDZ) kündigte zudem an, dass Zagreb auch die Ergebnisse der Ermittlungen zum Aufenthaltsort Gotovinas präsentieren werde. "Ich finde diese Gespräche sehr wichtig, weil es sich um zwei Ministerpräsidenten handelt, die Kroatien auch früher unterstützten und die sich weiter für den Beginn der Beitrittsverhandlungen am 17. März einsetzen", fügte der kroatische Premier hinzu.

Der kroatische Ministerpräsident erinnerte an verschiedene Interpretationen der "vollen Kooperation mit dem UNO-Tribunal". "Eine Gruppe von Ländern sagt, das heiße, dass Gotovina in Haag ist. Die andere sagt, falls man das wirklich nicht tun kann, muss Kroatien zeigen, dass man alles macht, um diese Frage zu lösen", erklärte Sanader.

Der kroatische Regierungschef bestätigte die Existenz einer "bestimmten Kooperation" zwischen den kroatischen und ausländischen Geheimdiensten bei der Suche nach dem flüchtigen General Gotovina. Details nannte er jedoch nicht.

Die neue Außenministerin Kolinda Grabar-Kitarovic erklärte in einem Interview mit der belgischen Zeitung "De Standaard" (Mittwoch-Ausgabe), die Frage sei, was "volle Kooperation" bedeute. "Anhand der Informationen, die uns zur Verfügung stehen, gibt es keine Beweise, dass Gotovina in Kroatien ist. Wenn er aber nicht in Kroatien ist, können wir ihn nicht festnehmen", erklärte die Außenministerin in dem Interview, das von der Nachrichtenagentur AFP zitiert wurde. Ein Aufschub des Beginns der Beitrittsgespräche würde euroskeptischen nationalistischen Kräfte in Kroatien Aufwind geben. (APA)

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