Frauen verdienen immer weniger

23. Februar 2005, 19:30
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Frauen sind vom Rückgang der Reallöhne stärker betroffen - SPÖ und Grüne verlangen mehr Unterstützung beim Wiedereinstieg

Wien - Eine Erhöhung der Frauenerwerbsquote, mehr Kinderbetreuungseinrichtungen und individuelle Qualifizierungsmaßnahmen für Frauen: dies forderte die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, um die Lohnschere zwischen Männern und Frauen zu verringern.

SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter sprach von einer "betrüblichen Situation". Insgesamt gebe es eine "bedenkliche" Entwicklung der Realeinkommen, doch am meisten betreffe dies Frauen. Die Politik und die Sozialpartner seien gefordert.

Nettoeinkommen um 11,1 Prozent gesunken

So hätten Arbeiterinnen ein Minus beim Nettoeinkommen von 11,1 Prozent (Männer: minus 5, 9 Prozent) in den vergangenen vier Jahren hinzunehmen, die Einkommen der Beamtinnen würden stagnieren. Weibliche Angestellte hätten seit 2000 um zwei Prozent ihres Nettoeinkommens verloren, rechnete Matznetter vor.

Gerade auch die Steuerreform 2005 würde die Einkommensschere weiter verschärfen: Man müsse die Frauen, die von der Steuerreform 2005 profitieren könnten, "mit der Lupe suchen", bekrittelte Prammer.

Matznetter meinte, dass die Einkommensschere gerade bei den qualifizierten Beschäftigungen eigentlich geringer werden müsste, weil immer mehr Frauen besser ausgebildet seien - doch dem sei nicht so.

Prammer verwies auch darauf, dass es im öffentlichen Dienst zu keinen Neuaufnahmen mehr komme, die mittlere leitende Ebene sei durch Strukturmaßnahmen faktisch abgeschafft. Und: Mittlerweile seien vier von zehn Frauen in Teilzeitjobs anzutreffen. "Dass sich das auf die Einkommensituation niederschlägt, ist klar", so die SPÖ-Frauenvorsitzende.

Schwerer Wiedereinstieg

Nun müsse man besonders beim Wiedereinstieg nach der Babypause ansetzen. In dem Zusammenhang forderte Prammer rund 100 Millionen Euro für das Arbeitsmarktservice: das Geld solle für individuelle Förderung von Frauen verwendet werden.

Sie plädierte für bundesweit flächendeckende Frauenstiftungen, wie es ein Modell in Steyr in Oberösterreich vorzeige und in einer ähnlichen Form auch der "Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds" (WAFF).

Zudem sei die Frauenerwerbsquote zu erhöhen und überhaupt neu zu berechnen: man solle sie nicht nach Köpfen, sondern nach Arbeitszeit berechnen, schlug Prammer vor. Für Frauen sollten mehr Vollzeitbeschäftigungen ermöglicht werden, die Teilzeitarbeit müsse zurückgedrängt werden.

"Handeln ist ein Gesetz der Stunde"

Die SPÖ übe bei dem Thema bei allen Verantwortlichen Druck aus - auch bei den Sozialpartnern, die in dem EU-Beschäftigungsbericht besonders kritisiert wurden. "Wir haben keine Zeit zuzuwarten. Es ist ein Gesetz der Stunde", betonte Prammer.

Matznetter ergänzte aber, dass gerade die Arbeiterkammer (AK) und die Gewerkschaften "vehement" gegen die Steuerreform auch auf Grund der Nachteile für die Frauen aufgetreten seien. (APA)

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