Angebliche Nazi-Vergangenheit von Wallnöfer lässt weiter Fragen offen

26. Februar 2005, 15:23
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Amtierender Landeshauptmann und Wallnöfer-Schwiegersohn Herwig van Staa ging in Offensive

Innsbruck - Die angebliche Nazi-Vergangenheit des legendären Tiroler Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer lässt nach derzeitigem Stand noch Fragen offen. Weiterhin unklar ist, ob der Langzeitpolitiker tatsächlich NSDAP-Mitglied war, wie ein Historiker kürzlich im Nachrichtenmagazins "profil" behauptet hatte. Der amtierende Landeshauptmann und Wallnöfer-Schwiegersohn Herwig van Staa (V) ging in der Causa am Mittwoch unterdessen in die Offensive. Er stellte sich gemeinsam mit dem Direktor des Tiroler Landesarchives Richard Schober der Presse. Für beide war "Walli" definitiv kein Nazi.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass Wallnöfer ein Nazi-Mitglied war", betonte Van Staa. Er habe jahrzehntelang mit ihm unter einem Dach gelebt und glaube nicht, dass er irgendetwas verschwiegen habe. "Dafür war er ein zu ethisch geprägter und zu stark in sich ruhender Politiker", sagte der Landeshauptmann. Sein Bild von Wallnöfer würde sich überhaupt nicht ändern, wenn er NSDAP-Mitglied gewesen wäre, stellte Van Staa klar. Er halte dies für unwahrscheinlich, schließe es aber auch nicht aus.

Kritik an Wissenschaftler

Kritik äußerte der Landeshauptmann am Vorgehen desjenigen Wissenschaftlers, der seine Feststellungen auf Grund einer Akte im Berliner Bundesarchiv getroffen habe. Dieser hätte sich alle erhältlichen und greifbaren Dokumente ansehen und dann einen Gesamtbericht vorlegen müssen. Van Staa forderte den Historiker auf, sich einer öffentlichen Diskussion zu stellen und seine Identität bekannt zu geben.

Schober hielt es für möglich, dass Wallnöfer 1941- wie im "profil" behauptet - in die NSDAP aufgenommen worden war, allerdings ohne es gewusst zu haben. Ende Juli 1938 habe er sich um die Anwartschaft bzw. Probezeit für die Mitgliedschaft beworben. Dies geht auch aus einem Schreiben Wallnöfers an die Bezirkshauptmannschaft Imst vom Juni 1947 und einem Bescheid der BH Imst vom August 1947 hervor, die bei der Pressekonferenz vorgelegt wurden. Der Antrag sei jedoch nie beantwortet worden. Bezirkshauptmann Anton Petzer hatte in dem Bescheid auch festgehalten, dass Wallnöfer kein NSDAP-Mitglied gewesen sei.

Auf einem Eintrag im Wehrstammblatt Wallnöfers sei dieser überdies als "politisch unzuverlässig" bezeichnet worden. Bei Personen in öffentlichen Funktionen sei damals Druck ausgeübt worden, zur Partei zu gehen, erläuterte Schober. Er sprach sich wie Van Staa dafür aus, das Berliner Dokument zu prüfen und begleitende Akten zu suchen sowie einen unabhängigen Historiker in der Angelegenheit zu beauftragen. (APA)

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