Guatemala: Neue Ermittlungen wegen Mord an Bischof

26. Februar 2005, 16:39
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Juan Gerardi, Leiter des kirchlichen Menschenrechtsbüros, wurde 1988 erschlagen

Guatemala - Das Verfahren um den Mord an dem guatemaltekischen Bischof Juan Gerardi im Jahr 1998 wird neu aufgerollt. Das Verfassungsgericht des mittelamerikanischen Landes ordnete, wie Kathpress am Mittwoch berichtet, die seit 2002 ausstehende Wiederaufnahme des Prozesses an. Damals hatte ein Berufungsgericht die in erster Instanz verhängten Haftstrafen gegen mehrere mutmaßliche Täter wegen vermeintlicher Unregelmäßigkeiten bei der Befragung aufgehoben.

Der Leiter des Menschenrechtsbüros der Erzdiözese Ciudad de Guatemala, Nery Rodenas, äußerte die Hoffnung, dass der Einspruch der mutmaßlichen Mörder abgelehnt und die ursprünglichen Urteile bestätigt werden. Der 75-jährige Gerardi war als Leiter des kirchlichen Menschenrechtsbüros im April 1998 erschlagen worden - zwei Tage nach Veröffentlichung eines Berichts über die Verbrechen während des 36 Jahre dauernden Bürgerkriegs. In dem Bericht wurde das Militär beschuldigt, für 150.000 Morde und das Verschwinden von 50.000 Personen verantwortlich zu sein.

Obwohl die Spuren für die Bluttat ziemlich eindeutig zu Militärkreisen führten, kamen die Ermittlung lange Zeit kaum voran. Es kam zu Vertuschungen, Manipulationen von Beweisen, Einschüchterungen und Todesdrohungen gegen Richter, Sonderstaatsanwälte, Zeugen und auch Journalisten, die mit dem Fall zu tun hatten. Mehrere an den Erhebungen Beteiligte suchten Sicherheit im Exil.

Die Kirche beschuldigte immer wieder die Regierung, die Ermittlungen bewusst zu verschleppen. Hinter den Verbrechen des Militärs und der von ihm gesteuerten rechtsextremen Todesschwadronen während des Bürgerkrieges, der über 200.000 Menschenleben forderte, stand eine klare Strategie: Mit Massenmorden an der indianischen Bevölkerung die Basis der Widerstandsbewegung Guatemaltekische Nationale Revolutionäre Einheit (URNG) zu schwächen.

In dem ersten Verfahren hatte 2001 ein Gericht den ehemaligen Chef des Geheimdienstes, Oberst Disrael Lima Estrada, dessen Sohn Byron Lima Oliva, ein Mitglied der Präsidentengarde, Obdulio Villanueva, sowie den ehemaligen Sekretär Gerardis, den Priester Mario Orantes, des Mordes für schuldig befunden. Die Haftstrafen beliefen sich auf 20 beziehungsweise 30 Jahre. Villanueva wurde 2003 während einer Häftlingsrevolte ermordet. (APA)

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