Falschgeldring zerschlagen: Großverteiler in Wien festgenommen

25. Februar 2005, 16:08
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Falschgeld aus Bulgarien ging an Straßenverteiler - Die Nationalbank entwickelt mit Nachdruck neue Sicherheitsmerkmale

In Wien wurde ein mutmaßlicher Großverteiler von gefälschten Euro-Banknoten verhaftet. Die Nationalbank entwickelt mit Nachdruck neue Sicherheitsmerkmale.

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Wien – "Made in Bulgaria" bürgt in Geldfälscherkreisen für Qualität. Ein Großteil aller gut gemachten Euroblüten, die in Europa sichergestellt werden, stammt aus dem osteuropäischen Land. So auch die 500 Stück Zweihunderter, die ein mutmaßlicher Großverteiler bei seiner Verhaftung in Wien vor wenigen Tagen dabei hatte. Im Bundeskriminalamtes (BK) hieß es am Donnerstag, dass man damit einen einen riesigen internationalen Falschgeldring zerschlagen habe.

Identifiziert durch Personenbeschreibungen

Erste Informationen, dass sich in Wien ein "großer Fisch" aus der Fälscherszene aufhalten solle, hatten die Ermittler bereits im April des Vorjahres aus Salzburg erhalten. Als die Fahnder im vergangenen Herbst zwei unabhängig voneinander Tätergruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien aus dem Verkehr zogen, wurden die Verdachtsmomente immer konkreter. Es sollte sich um einen russischen Mittelsmann handeln, der unter verschiedenen Aliasnamen das Falschgeld an Straßenverteiler weitergab. Auch aus Deutschland gab es Hinweise. Identifiziert wurde der Verdächtige letztendlich nur durch übereinstimmende Personsbeschreibungen, erklärte am Donnerstag BK- Fahnder Rudolf Unterköfler im Standard-Gespräch.

Großverteiler schweigt

Die Identität des mutmaßlichen Großverteilers konnte bisher nicht gelüftet werden, er selbst schwieg bisher bei den Einvernahmen. Als gesichert gilt, dass er aus dem osteuropäischen Raum kommt.

Schaden durch Falschgeld verdoppelt

Der Schaden durch Falschgeld hat sich in Österreich zuletzt binnen eines Jahres verdoppelt. 2004 wurden mehr als 13.000 gefälschte Banknoten im Nennwert von 1,4 Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen. 1100 Blüten wurden sichergestellt, ehe sie in Umlauf gebracht werden konnten. In der Häufigkeitsskale hat der gefälschte Hunderter dem falschen Fuffziger den ersten Rang abgelaufen.

Neue Euro-Serie 2009

Die Euro-Fälschungen werden zwar immer besser, bestätigte Stefan Augustin, der Kassendirektor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), auf Standard-Anfrage. Doch bisher sei es niemandem gelungen, mehrere Sicherheitsmerkmale auf einer Banknote in guter Qualität nachzuahmen. Deshalb sei es auch so wichtig, einen verdächtigen Geldschein auf alle Merkmale – Stichworte: sehen, kippen, fühlen – zu untersuchen.

Neue Euro-Generation

Die OeNB arbeitet bereits mit Hochdruck an der neuen Euro-Generation. Die neue Serie, die wahrscheinlich 2009 ausgegeben wird, soll noch besser fühl- und sehbare Qualitäten haben. So soll zum Beispiel der Farbkippeffekt, der derzeit nur auf der Rückseite der Euro-Scheine eingearbeitet ist, in Zukunft auch die Vorderseite zieren. Die Farben werden generell satter. Auch die Einarbeitung von hauchdünnen Computer-Chips zur Echtheitszertifizierung wird geprüft. Aber das brächte wieder den Zusatzaufwand von entsprechenden Lesegeräten.(Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 24.2.2005)

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    Nachbearbeitung einer echten Druckplatte für eine 100-Euro-Banknote. So perfekt kriegen es Fälscher noch nicht hin, doch die Qualität der Blüten wird immer besser.

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