Suche nach dem „Profizündler“: Er ist flexibel und hinterlässt keine Spuren

24. Februar 2005, 21:39
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Wegen einer nie da gewesenen Brandserie in Klagenfurt sind die Kriminalisten höchst beunruhigt – Warnung auch für Graz

Klagenfurt – Er kommt und geht unbemerkt. Schleicht sich zumeist in unversperrte Keller ein. Wenig später heulen die Sirenen. Insgesamt zwölfmal hat es in der Kärntner Landeshauptstadt bereits gebrannt. In der vergangenen Woche beinahe täglich.

Brand im Keller

Doch auch Graz brannte es in der Nacht auf Montag zweimal. In der Liebenauer Hauptstraße und in der Evangelimanngasse waren in Kellerabteilen Brände gelegt worden.

Der Klagenfurter Branddirektor hat am Dienstag seinen steirischen Kollegen gewarnt. Die Grazer Exekutive geht jedoch nicht davon aus, dass es sich um den selben Täter wie in Klagenfurt handelt.

Klagenfurt

In der Kärntner Landeshauptstadt sind die Kriminalisten wegen der noch nie da gewesenen Brandserie höchst beunruhigt. In Klagenfurt hat es bisher innerhalb von elf Tagen zwölfmal gebrannt. Mehr als 100 Verdächtigte wurden bereits überprüft. Mittlerweile könnte sich auch ein Trittbrettfahrer hinzugesellt haben.

Wie im Fall der Branddrohung gegenüber dem Landeskrankenhaus Villach. Am Sonntag rief ein Unbekannter bei der Villacher Polizei an und kündigte Feuer an. Das Gebäude wurde sofort von Polizei und Feuerwehr abgeriegelt. Gefunden wurde aber nichts. Im Klagenfurter Landesspital hatte es dagegen tatsächlich gebrannt und zwar an der HNO-Abteilung. Neben Kellern sucht sich der Täter offenbar bewusst Tatorte in der Nähe von Spitälern oder Sozialeinrichtungen aus. Etwa die Reha-Klinik für seelische Gesundheit oder ein Bürohaus, in dem eine Einrichtung der Bewährungshilfe untergebracht ist.

Flexibler Täter

Das hat die Kriminalisten auch auf eine möglicherweise erste brauchbare Spur geführt. „Der Täter will offenbar kommunizieren“, folgert der Leiter der Klagenfurter Kripo, Walter Fischer: „Er ist flexibel und hinterlässt keine Spuren.“ Er verwende auch keine Brandverstärker wie Benzin. Das lässt die Kriminalisten auf einen „Profizündler“ schließen. Um die Klagenfurter Kollegen zu unterstützen, wurden jetzt auch Experten des Bundeskriminalamtes angefordert.

Denn es wurden zwar bereits unterschiedliche Täterprofile erstellt, doch bis jetzt konnte man sich noch für keines entscheiden. Wie viele Brände der unbekannte Täter tatsächlich gelegt hat, kann heute noch gar niemand abschätzen. (stein, DER STANDARD Printausgabe, 23.02.2005)

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