Kein Antrag auf freies Geleit

25. Februar 2005, 09:18
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Tibor Focos Eltern werden keinen Antrag stellen - Strafrechtler äußert Skepsis über Fall Foco - eine Analyse

Linz – Die Eltern des mutmaßlichen, flüchtigen Prostituiertenmörders Tibor Foco werden keinen Antrag auf freies Geleit stellen. Der Verteidiger des Sohnes, der Linzer Strafrechtsprofessor Herbert Wegscheider, hat ihnen davon angeraten.

Justizministerin Karin Miklautsch hatte angekündigt, dass der Haftbefehl fallen gelassen werden, wenn sich Foco einem neuerlichen Verfahren stelle.

„Es macht keinen Sinn“, begründet Wegscheider seine ablehnende Haltung. Schon 1997 wurde dem Flüchtigen freies Geleit gewährt – ohne Erfolg. Auch jetzt werde „Foco nicht freiwillig nach Österreich zurückkehren“, ist sich Mutter Christine sicher. Denn an eine Chance zur Rehabilitierung ihres Sohnes glaubt sie nicht.

"Zweifel am Rechtsstaat"

Und Wegscheider hat ebenfalls seine „Zweifel am österreichischen Rechtsstaat“. Auch die neuerliche Anklage stehe auf „Füssen aus ungebranntem Ton“. So seine Worte, nachdem Foco im Jahr 2000 ein zweites Mal wegen Mordes angeklagt wurde. Wegen Verfahrensmängeln hatte 1997 der Schuldspruch aus dem ersten Prozess (1987) aufgehoben werden müssen. Damit ging der Fall zurück zum Start, zugleich die Möglichkeit für ein korrektes Verfahren.

Doch auch bei den neuerlichen Vorerhebungen fehlt es nicht an Ungereimtheiten. Eine befangene Gutachterin, die schon im Vorhinein den Täter kennt. Bei ihr verschwanden vier Beweisstücke.

Falscher Pullover

Weiters stellte sich heraus, dass ein falscher Pullover als Beweisstück geführt wurde. Jenen hatte Foco zur Tatzeit nicht an, wie jahrelang angenommen. Die Gutachterin will aber auf dem „Beweisstück“ Schmauchspuren der Mordwaffe gefunden haben. Für Wegscheider genug Gründe, davon auszugehen, dass ein zweiter Prozess nicht zur Wahrheit führen werde. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass Focos angeblicher Komplize inzwischen freigesprochen wurde. Dieser wartet bis heute auf finanzielle Entschädigung für sechs Jahre zu Unrecht in Haft. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 23.02.2005)

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