Netter Versuch

23. Februar 2005, 18:27
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Es war soeben. Da hat Herr H. zum zweiten Mal angerufen. Jetzt könne er endlich sein Geld zurück bekommen...

Es war soeben. Da hat Herr H. zum zweiten Mal angerufen. Und, sagte er, er sei echt erleichtert mich endlich zu erreichen. Denn jetzt könne er endlich sein Geld zurück bekommen. Und zwar von mir.

Herr H. hat sich nämlich erkannt. Im VOR-Magazin, sagte Herr H., hätte ich ihn beschrieben. In der dortigen Ausgabe der „Stadtgeschichten“. Und weil er sich wirklich rüpelhaft benommen habe, rufe er jetzt an, um sich zu entschuldigen. Außerdem wolle er mit mir einen Geldübergabetermin aus. Er sei froh, seine 80 Euro wieder zu bekommen.

Bankomatenfoyer

Im Gratis-Heft in der U-Bahn steht nämlich jene Geschichte, die Herrn H. widerfahren sei, sagte Herr H: Er habe in einem Bankomatenfoyer Geld abgehoben, in der Hektik aber einen Großteil des Geldes in der Maschine vergessen und sei einem Bus nachgelaufen. Dann, als ihn ein Unbekannter ansprach, habe er ruppig und aggressiv reagiert – und erst als der Bus losgefahren sei, habe er überrissen, dass der Unbekannte ihm sein Geld nachgetragen hatte. Aber da, erklärte Herr H. am Telefon, sei es zu spät gewesen. Umso glücklicher sei er gewesen, im Öffi-Magazin zu lesen, dass ich derjenige gewesen sei, der sein Geld gefunden habe.

Kontoauszug

Ich ließ Herrn H. ausreden. Dann fragte ich: Wo und wann das denn gewesen sei? Herr H. zögerte. In der Nähe der Mariahilfer-Straße. Vermutlich beim 13 A. Und einige Zeit bevor das Magazin gedruckt worden sei. Falls ich Zweifel habe, könne er mir aber den Kontoauszug mit der Nummer des Foyers zeigen. Ob ich heute noch Zeit hätte?

Ich musste lachen. Auch wenn ich sonst ein leichtes Opfer sei, sei das sogar für mich zu simpel: Die VOR-Geschichten seien Kurzfassungen alter Kolumnen, die voriges Jahr in Buchform erschienen wären. Die vom gefundenen Geld stamme aus dem November 2003. Abgesehen davon sei auch der von H. genannte Ort falsch – und das Geld hätten A. und ich damals einer NGO gespendet. Der Abzock-Versuch, versuchte ich Herrn H. zu trösten, sei zumindest halboriginell: Er sei – da log ich – der dritte oder vierte, der es mit diesem Schmäh versuche.

Klagsdrohung

Herr H. wurde sauer: Ich solle ihn nicht anlügen. Es sei sein Geld, das ich da in der Hand gehalten habe. und das wolle er wieder haben. Was ich damit getan hätte, sei ihm egal. So könne man mit ihm nicht umspringen – und ich würde von seinem Anwalt hören.

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