Dresden Dolls: Exzentrischer Rock mit Klavier

22. Februar 2005, 19:20
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Die Bostoner debütieren mit Weimar-Rock und einigen der intensivsten und beseeltest vorgetragenen Klaviersongs der letzten Jahre im Wiener Flex

Pianistin und Sängerin Amanda Palmer und Schlagzeuger Brian Viglione, das auf gothische Duse und lacharmen Weißclown geschminkte Duo aus dem US-amerikanischen Boston, verbindet auf seinem titellosen Albumdebüt aus dem Vorjahr (Vertrieb: Edel) das Pathos von Rock 'n' Roll im bedeutungsschwangeren Stil einer Patti Smith mit burleskem Cabaret der Weimarer Zeit, um das Ganze schön postmodern mit Riot-Grrrl-Attitüde im Sinne von Courtney Love und viel Ach und Weh und Vokaldehnen und -zerren zu brechen.

Neben dem kontroversiellen Bandnamen, der vor allem auch auf die theatralische Musik der zwei anspielt, werden als weitere Referenznamen in Kritiken gern Marlene Dietrich und ihre Deutungen von Kurt Weill, P. J. Harvey oder Tori Amos erwähnt.

Das klingt schrecklicher, als es ist. Die Dresden Dolls schaffen es zwischen wuchtigen Klavierakkorden, rudimentärem Schlagzeug und weißer Gesichtsschminke tatsächlich, ihr gewollt unorthodoxes bis sensationalistisches Auftreten hintanzustellen zugunsten einiger der intensivsten und beseeltest vorgetragenen Klaviersongs der letzten Jahre.

Angesichts eines starken Konzertwochenendes mit bei der Jugend beliebten und aus Funk und Fernsehen bekannten Nachwuchsstars wie The Killers am Freitag in der Arena und Mando Diao am Samstag im Flex, ist den beiden ein reger Publikumszuspruch mehr als zu wünschen. (schach/DER STANDARD, Printausgabe, 23.02.2005)

So., 27. 2., 21 Uhr
Flex
1010 Wien
Donaukanal
U-Bahn-Station Schottenring
Höhe Augartenbrücke
01/533 75 29

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