"Wels im Bild": Städtische Gelder für Polemik

24. Februar 2005, 20:13
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Menschenrechtsgruppen kritisieren lasche Haltung der Stadt gegenüber Zeitschrift - Politologe Pelinka: "Fremdenfeindliche und rassistische Sprache"

"Faulende Kuttelflecke am Balkon und Hammelbratengeruch in Stiegenhäusern." Helmut Moser lädt die Lokalpolitiker zu einem Besuch in diesen "Integrationsslum", in dem "nicht anpassungsfähige Ausländer Vorhäuser und Lifte versauen". Derartige einleitende Worte findet der Chefredakteur im Editorial der Hochglanzillustrierten "Wels im Bild". Alle zwei Monate erscheint diese Zeitschrift, gesponsert - wenn auch nur indirekt -, vom Magistrat Wels.

Anton Pelinka, Politologe an der Uni Innsbruck, hat sich dieses periodische Druckwerk genauer angesehen. Sein Resümee: "Fremdenfeindliche und rassistische Sprache", auch der "Nationalsozialismus wird verharmlost. Eine Unterstützung ist mit dem demokratischen Grundkonsens der Zweiten Republik nicht vereinbar." Die Zeitschrift, die in Wels knapp 4000 Leser hat, finanziert sich hauptsächlich mit Inseraten. Und diese schalten seit Jahren städtische Betriebe wie das E-Werk Wels oder das Stadtmarketing.

Das Integrationsnetzwerk Land der Menschen, die Welser Initiative gegen Faschismus Antifa und weitere Menschenrechtsgruppen haben deshalb eine Unterschriftenkampagne gegen "Wels im Bild" gestartet. Diese Liste, die 1200 Personen unterzeichnet haben, wurde vorige Woche Bürgermeister Peter Koits (SPÖ) übergeben. Beigefügt ist dieser eine Aufforderung an Koits, dafür zu sorgen, dass keine städtischen Betriebe mehr das Druckwerk unterstützen.

"Diktion gebessert"

Die Aufregung rund um das Magazin kann der Bürgermeister nicht ganz nachvollziehen. So habe sich bereits im vergangenen Jahr die "Diktion des Herausgebers" deutlich gebessert. "Es war mein Bestreben, Polemik und Hetze künftig zu verhindern." Deshalb habe er auch schon mehrfach mit Chefredakteur Moser gesprochen. Die Vorstände der städtischen Betriebe habe er auch schon in dieser Sache informiert. In welchen Medien diese Inserate schalten, darauf habe er aber keinen Einfluss. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2005)

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