Solana drängt Ferrero an den Rand

24. Februar 2005, 10:03
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EU-Chefdiplomat siegt im Wettstreit der Eitelkeiten

Brüssel - Wer trifft George W. Bush wann? Wer darf in seiner Nähe sitzen? Wer darf bei welchem Treffen teilnehmen? Die Gipfeltreffen in Brüssel gerieten zum eitlen Gedränge der europäischen Staatschefs - der Bush-Besuch war aber auch wieder ein Anlass für den Infight zwischen EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und EU-Chefdiplomat Javier Solana.

Solana ist der designierte EU-Außenminister. Schon bevor das Inkrafttreten der europäischen Verfassung aber diesen Job kreiert, tritt Solana als Außenminister auf - und drängt damit die eifrige Ferrero-Waldner immer wieder an den Rand. Dieser Wettstreit wurde auch beim Bush-Besuch deutlich: Solana war schlicht überall: der Ex-Nato-Generalsekretär saß am Dienstag zuerst beim Nato-Gipfel mit am Tisch, um dann zum EU-USA-Gipfel zu eilen und selbstverständlich an der prestigeträchtigen Pressekonferenz mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und US-Präsident George W. Bush teilzunehmen.

Ferrero war der Zutritt zur Nato verwehrt. Nur beim EU-USA-Gipfel durfte sie teilnehmen. Während Solana aber beim Treffen der Chefs, der Staats- und Regierungschefs saß, war Ferreros Tätigkeitsfeld auf das gleichzeitige (und niederrangige) Außenministertreffen beschränkt.

Zumindest am Abend wollte Ferrero dann bei den Wichtigen dabei sein - und schaffte es, einen Sitzplatz beim Kommissions-Arbeitsessen von Barroso, Bush und Juncker zu ergattern. Aber auch dort traf sie nicht nur ihren Kollegen, den britischen Handelskommissar Peter Mandelson, sondern auch ihren Rivalen am Feld der Außenpolitik: Solana, der kein EU-Kommissar ist, saß mit am Tisch. Schon ganz in seiner Rolle des Inhabers der Telefonnummer, die ein US-Präsident in Europa anwählen muss.

Klarer Verlierer im Wettlauf um Bush war aber nicht Ferrero-Waldner, sondern das EU-Parlament: Es tagte fernab des Geschehens in Straßburg - und beklagte dort seine Missachtung. (eli/DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2005)

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    US-Außenministerin Condoleezza Rice und EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner.

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