Seitenblicke auf "News"-Verkaufszahlen

23. Februar 2005, 18:22
6 Postings

Mailverkehr mit Verlagschef Klausnitzer auf der Spur der "tatsächlichen Verkäufe" des Wochenmagazins

Promidichte wie selten ab Donnerstag in der Trafik. Das "Seitenblicke Magazin" kommt völlig umgekrempelt, sehr pink und vierzehntägig auf den Markt. Just Donnerstag bringt die den Magazinmarkt beherrschende News-Gruppe ein erstes und einmaliges "Leute extra" heraus.

"Glauben Sie, dass "Seitenblicke" neu "News" Leser oder Anzeigenkunden kostet? Warum dieser donnernde Schuss vor den Bug?", fragten wir Montag um 9.09 Uhr Rudi Klausnitzer per Mail.

Der Vorsitzende der News-Geschäftsführung antwortet Montag, 15.13 Uhr: "Das Zusammentreffen mit dem Relaunchtermin des ´Seitenblicke Magazins´ hat sich eher zufällig ergeben, da sich unsere Planung an langfristig festgelegten Postwurfterminen orientiert hat." Für eine "umfangreichere redaktionelle Strecke" zur gewohnten Liste der "wichtigsten" Österreicher habe man ein Extraheft gewählt.

Eine Antwort zur Sorge um Anzeigenkunden oder Leser bleibt Klausnitzer schuldig. Dabei kursieren gerade bemerkenswerte Zahlen, wie viele Hefte sein Flaggschiff "News" "tatsächlich", so der interne Vertriebsbegriff, verkaufe.

Also noch ein Mail an Klausnitzer, Montag, 15.21 Uhr: "Was versteht die Verlagsgruppe News unter ,tatsächlicher Verkauf'? Mir liegen Informationen vor, wonach sich dieser Verkauf bei News in der Größenordnung von 55.000 Heften bewegt. Wie ist das zu verstehen beziehungsweise wie definiert sich dieser ,tatsächliche Verkauf'?"

Weniger verkauft

Klausnitzer, Dienstag, 8.22 Uhr: "Ich habe mich im Haus erkundigt: Unsere Kategorien sind die gleichen wie die der ÖAK und die Zahlen jeweils aus der MAK ersichtlich. Eine Kategorie ,tatsächlicher Verkauf' kommt weder bei der ÖAK noch bei uns vor."

Die News-Gruppe lässt ihre Auflagen seit 2003 nicht mehr von der allgemein anerkannten Auflagenkontrolle (ÖAK) prüfen und veröffentlicht ihre Daten in der hauseigenen "Magazinauflagenkontrolle" (MAK). Die ÖAK gilt als strenger, etwa mit Abobeigaben.

In der MAK für das erste Halbjahr 2004 weist der Konzern für "News" eine verkaufte Auflage von 252.436 Stück aus, davon 65.617 in Einzelhandel und Kolportage und 95.150 Abos. Ein Jahr zuvor waren es laut MAK noch 11.000 Einzelverkäufe und gut 14.000 Abos mehr.

Also noch ein Mail an Klausnitzer, Dienstag, 8.37 Uhr: "Könnte es sein, dass die genannten, im Schnitt 55.000 Exemplare jene Hefte sind, die den vollen Verkaufspreis erlösen?" Die Antwort um 15.48 erklärt lediglich die Methodik der MAK. Die zähle nur als verkauft, was mindestens 30 Prozent des offiziellen Preises erlöse. Klausnitzer zitiert dazu Helmut Hanusch, ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung der Verlagsgruppe: "Unsere Kategorien sind Abos und Einzelverkauf im Sinne der ÖAK, d.h., nur jene Exemplare, die den vollen Verkaufspreis erzielen, Gutscheine und Abogeschenke bringen wir nicht in Anrechnung. Es werden bei uns generell niemals Hefte gerechnet, die nicht mindestens 30% des Verkaufspreises erzielen, dies gilt jedoch nicht für die Kategorien Einzelverkauf und Abo, hier werden, wie gesagt, nur jene Exemplare gerechnet, die den vollen Verkaufspreis erzielen." Die Frage nach den 55.000 bleibt unbeantwortet.

Donnerstag erscheinen neben den Promiheften auch die jüngsten Daten der ÖAK, weiter ohne "News" & Co. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.