EM-Stadion: Geheime Kommandosache

25. Februar 2005, 15:01
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Vergabejury bei Vorprüfung nicht dabei - Vergabekommission tritt am 6. März zusammen

Klagenfurt – Strengste Geheimhaltung herrscht derzeit um das Vergabeverfahren zum Klagenfurter EM-Stadion. Am Dienstag um zehn Uhr wurden die nachgebesserten Angebote der sechs Bieter im Beisein eines Notars sowie des Anwaltes der Stadt Klagenfurt als Bauherr, im Haus des Sports in Wien geöffnet.

Ursprünglich hätten auch die Mitglieder der Vergabekommission dabei sei sollen. Doch Klagenfurts Bürgermeister Harald Scheucher hatte Angst vor einem weiteren Geheimnisverrat. Also wandte er sich diesbezüglich gemeinsam mit seinem SP-Vize Ewald Wiedenbauer an den Vorsitzenden der Vergabejury Peter Gattermann. Dieser erklärte, dass jetzt die einzelnen Projekte vom Beratungsunternehmen Van Melle&Partner auf ihre technische und wirtschaftliche Tauglichkeit vorgeprüft werden sollen.

Jedes einzelne Angebot soll dann schriftlich bewertet und dann der Vergabekommission vorgelegt. Diese tritt dann am 6. März in Klagenfurt zusammen. Die Entscheidung soll dann – um Klagen ausgebooteter Bieter zu minimieren – einstimmig fallen. Doch hier befürchtet Scheucher nach wie vor ein Ausscheren der Kärntner Landesvertreter.

Ein Kommissionsmitglied soll laut APA die gewählte Vorgangsweise der absoluten Geheimhaltung bereits kritisiert haben. Haider-Intimus Franz Widrich zum Standard: "Wir sind um Einstimmigkeit bemüht." Widrich, der angeblich Bieterdetails an eine Kärntner Wochenzeitung verraten haben soll, kündigt nach der Vergabe nun seinerseits "Enthüllungen" an. Laut Widrich sei sein angeblicher Geheimnisverrat lanciert worden, um einen bestimmten Bieter Vorteile einzuräumen. Doch er sei nicht der Verräter. Gegen Bürgermeister Scheucher hat er Privatklage eingebracht. Und Strafanzeige wegen der verbotenen Veröffentlichung jenes Telefonats, an dem sich Jörg Haiders angebliche Abhöraffäre entzündet hatte. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2005)

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