"Die wilden Fußballkerle": "Alles ist gut, solange du wild bist!"

26. März 2005, 22:02
posten

Mit "Die wilden Fußballkerle" ist dem deutschen Autor und Filmemacher Joachim Masannek ein rarer Glücksfall einer Jugendserie gelungen,...

...die keine Anleihen beim Harry-Potter-Boom nehmen muss und die üblichen Thomas-Brezina-Untiefen gelassen umgeht – jetzt auch wieder im Kino.


Wien – In diesem Fall sei's gerne eingestanden: Der folgende Artikel ist ein Auftragswerk. Eingefordert wurde er von einer Gruppe junger Menschen, die dem Autor im üblichen Getriebe zwischen Playstation-Fußball, Fußballergebnissen per Teletext, Fußballtraining und Fußballreliquien-Sammeln (war hier noch so etwas wie Schule oder Hausübungen?) zuriefen, er solle doch "einmal den Joachim Masannek anrufen, und zwar so schnell wie möglich!"

Wer jetzt nicht weiß, wer Joachim Masannek ist, der hat entweder keine Söhne mit den oben genannten Leidenschaften oder er ist Totalignorant oder er musste tatsächlich noch nie Wilde Fußballkerle kaufen. 1,7 Millionen verkauften Büchern im deutschen Sprachraum zufolge dürfte es von dieser Gattung Eltern nicht mehr allzu viele geben.

Für den Rest fassen wir jetzt zusammen: Es geht in dieser ursprünglich auf 13 Bände angelegten, vor Wortwitz und coolen Posen nur so sprühenden Buchserie um eine durchaus punkige Jugendmannschaft, in der jeder – und auch das einzige Mädchen, Vanessa – mehr als das Leben geben würde, um ein Fußballheld zu sein. Und wenn es dann wieder einmal so weit ist, ertönt mit verlässlicher Inbrunst der edle Schlachtruf: "Alles ist gut, solange du wild bist!" – womit klar sein dürfte, dass es also definitiv nicht um Vereinsmeierei geht. Der Ball ist hier zwar auch rund, aber schwarz. Und selten waren deutsche Jugendbuchhelden – hier tragen sie schöne Namen wie Marlon, Leon oder Raban – anarchischer.

Ein Anruf bei Joachim Masannek, von dem man zuerst vermutet, dass er das alles ganz ausgezeichnet erfunden hat, stellt klar: So etwas kann man gar nicht erfinden. Masannek, geboren 1960, hat nämlich vor Jahren für und rund um seine Söhne, die in Profivereinen keine Aufnahme fanden, einen Fußballverein in einem Fußballverein gegründet. Der bayrische TF Grünwald stellte für diese realen Wilden Kerle die Anlage zur Verfügung, Masannek trainierte die Jungs, die schnell überregionale Berühmtheit erlangten, und irgendwann war klar, dass sich hier realiter jener Stoff entfaltete, aus dem die Helden sind.

Inklusive Baumhaus. Und natürlich: großer Sprüche. "Kreuzkackendes Kümmelhuhn!" Damit kamen die Kinder, so Masannek, "darüber hinweg, dass sie anfangs mangels großartiger Unterstützung durch den Verein in gebrauchten, teilweise viel zu großen Trikots antreten mussten". Dann komponierte ein weiterer Fußballvater noch den Kampfsong "Alles ist gut ...", und irgendwann machte der Illustrator Jan Birck, ebenfalls Spielervater, den Vorschlag: "Lass uns doch ein Buch ^machen!" Daraus wurde dann ein Buch für jeden Spieler, weiters ein Drehbuch und schließlich der erste Kinohit, den Masannek als gelernter Kameramann auch gleich selbst inszenierte.

Marlon spielt Maxi!

"Ursprünglich wollte ich ja mit den originalen Wilden Kerlen drehen – aber da stießen doch manche an ihre Limits. Der schüchterne Maxi war vor der Kamera erst recht schüchtern und, und, und ..." Also: Casting. Und jetzt spielt auch in Wilde Kerle 2 etwa Masanneks Sohn Marlon den Maxi. Der zweite Sohn Leon spielt Markus, den Torwart. Und dafür spielen die Kids des deutschen Filmstars Uwe Ochsenknecht, Jimi Blue und Wilson, den Marlon und den Leon.

Verwirrend? Jugendliche Wilde Kerle-Fans werden für diese Infos heute noch mit dem STANDARD-Kulturteil ihre Zimmer tapezieren!

Worüber wir uns mit Joachim Masannek noch unterhalten haben? Über Jugendliteratur natürlich. Ihm, der seine Söhne so sehr für Fußball zu begeistern wusste, gelang es zum Beispiel "nicht, sie für Lederstrumpf, Winnetou und Co. zu gewinnen. Die wollten ihre eigenen Geschichten haben. Und bei denen war's mir schon wichtig, dass die Kinder aus der derzeit obligaten Behütetheit heraustreten."

Auch als Trainer habe ihn das fasziniert: "Dass die Jungs am Spielfeld ja letztlich selbst Verantwortung übernehmen müssen. Sicher hab ich mich am Spielfeldrand schon öfter gegiftet, wenn da einer plötzlich sein Ding und seinen Willen durchsetzt. Aber wenn ihm dabei etwas gelingt, dann finde ich das doch auch wieder imposant." Auch darüber erzählt Masannek gern: dass Fußball eine gute Schule (fürs Leben) sei, in der man lernt, "unter Druck und ohne Ausreden zu wachsen". Viel zu viel werde heute bei Kindern unter dem Motto "Macht doch nichts" lapidarisiert. "Den Kindern macht es schon was aus. Und sie entwickeln, wenn man sie lässt, auch einen gewissen Einfallsreichtum. Konsequenz."

Die Zukunft der Wilden Kerle? "Mittlerweile schießen in ganz Deutschland Wilde Kerle- Mannschaften aus dem Boden." Gut möglich, dass die in weiteren Büchern gegeneinander antreten. Eine Verwirklichung eines großen Traums – ein Spiel im Rahmen der Fußball-WM 2006 – ist auch schon angedacht. Und wenn Wilde Kerle 2 ab kommendem Wochenende im Kino zum Hit wird, steht einem dritten Film nichts im Wege. Da heißt's dann sicher wieder: "Ruf den Masannek an!" (DER STANDARD, Printausgabe, 23.02.2005)

Von
Claus Philipp
  • Nebenbeschäftigung: Fahrräder auf Geländemotorrad trimmen. Hauptbeschäftigung: Fußball, Fußball und Fußball - "Die wilden Kerle"!
    foto: buena vista international

    Nebenbeschäftigung: Fahrräder auf Geländemotorrad trimmen. Hauptbeschäftigung: Fußball, Fußball und Fußball - "Die wilden Kerle"!

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.