Alle Nato-Partner helfen USA im Irak

25. Februar 2005, 14:57
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Gemeinsame Irak- Konferenz geplant - Nato auf Reformkurs: Eine Art "politischer Arm" soll der Allianz eine neue Bedeutung geben

Die Zeit der transatlantischen Irak-Streitereien soll vorbei sein – das war die Kernbotschaft des Nato-Gipfels. Als Zeichen der Verbundenheit wurde nach dem Gipfel in Brüssel verkündet, dass USA und EU eine gemeinsame Irak- Konferenz veranstalten wollen. Zeit und Ort dieser Konferenz werden noch gesucht.

Diese Konferenz soll das Drängen der USA erfüllen, dass sich die Europäer mehr im Irak engagieren. "Es ist‑ der gleiche alte Bush hier", scherzte US-Präsident George W. Bush. Und legte Wert darauf, dass mit "wir" alle 26 Nato-Staaten gemeint sind.

Nach dem Gipfel konnte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer Vollzug melden: "Alle 26 werden einen Beitrag zur Ausbildungsmission im Irak leisten." Derzeit hat die Nato 100 Ausbildungsoffiziere in Bagdad stationiert, in den kommenden Wochen sollen 60 weitere folgen. Aufgrund des erbitterten Widerstands einiger europäischer Staaten, unter anderem Deutschlands, sich im Irak direkt zu engagieren, akzeptierten die USA Dienstag auch den Beitrag der Mitgliedstaaten, irakische Soldaten und Polizisten in den Vereinigten Arabischen Emiraten auszubilden.

Europäer wehren sich

Denn trotz allen Tauwetters wollten sich die Europäer nicht von den Amerikanern vorwerfen lassen, sich zu wenig in die Nato einzubringen. Und rechneten genüsslich vor: Die Nato- Operation in Afghanistan bindet 8000 Soldaten, 80 Prozent davon kommen aus europäi 2. Spalte schen Armeen. Und im ehemaligen Jugoslawien stellen die Europäer 90 Prozent der involvierten Kräfte, sei es für die Nato-Operation im Kosovo oder die EU-Mission in Bosnien.

Dieses Aufrechnen, wer Nettozahler in der Nato ist, soll mit dem Gipfel beendet sein. "Die Nato ist die erfolgreichste Allianz in der Geschichte", deckte Bush alle Unstimmigkeiten zu. Den Europäern, allen voran dem deutschen Kanzler Gerhard Schröder, war ohnehin eine andere Debatte wichtiger: die über die Reform der Nato.

Diese vor zehn Tagen auf der Münchner Sicherheitskonferenz geäußerte Forderung hatte für Irritationen gesorgt, gewinnt mittlerweile aber Unterstützer. So stellte sich Frankreichs Jacques Chirac hinter Schröder, auch Nato-Generalsekretär De Hoop Scheffer mahnte einen "intensiveren politischen Dialog in der Nato" ein. Und selbst Bush bekräftigte, dass es in der Nato neben der militärischen eine "politische Komponente" geben müsse. Eine Expertengruppe unter Führung des Nato-Generalsekretärs soll Reformen erarbeiten. Damit hat Schröder ein wenig nachgegeben: In München hatte er noch eine Reformgruppe unter der Führung europäischer Staatschefs gefordert. Nun soll die Nato sich selbst reformieren – nicht von Kanzlern reformiert werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2005)

Von Eva Linsinger aus Brüssel

Nachlese

Bush: "Ich suche noch einen guten Cowboy"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    US-Präsident Bush und Nato-Generalsekretär de Hoop Schäffer beim Nato-Gipfel in Brüssel.

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