Menschen wurden im Schlaf überrascht

30. Mai 2005, 19:20
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Ein Jahr nach dem schweren Erdbeben in Bam wurden nur 200 Kilometer entfernt wieder zahlreiche Dörfer dem Erdboden gleich gemacht

Teheran - Gut ein Jahr nach dem schweren Erdbeben in Bam ist der Südosten des Iran am Dienstag erneut von heftigen Erdstößen erschüttert worden. Bei dem Beben mit der Stärke 6,4 auf der Richterskala kamen nach offiziellen Angaben mindestens 280 Menschen ums Leben. Rettungskräfte gingen allerdings von weit höheren Zahlen aus und rechnen mit mehr als 500 Toten. Das Beben um 5.55 Uhr Ortszeit hat viele Menschen im Schlaf überrascht.

Dörfer zerstört

Besonders betroffen war die Stadt Zarand in der Provinz Kerman mit rund 130.000 Einwohnern. Unter den Trümmern von Gebäuden wurden weitere Todesopfer befürchtet. Viele umliegende Dörfer wurden nahezu dem Erdboden gleich gemacht, berichteten Rettungskräfte.

Die Polizei der Provinz sprach von mehreren hundert Verletzten. Das Unglücksgebiet liegt nach Angaben der iranischen Botschaft in Berlin rund 200 Kilometer von der historischen Stadt Bam entfernt. Dort waren im Dezember 2003 bei einem Erdbeben mehr als 30.000 Menschen getötet worden.

Sargdeckel

Bei Erdbeben in ärmeren Ländern wie Iran wird den Menschen meist die Bauweise ihrer Häuser zum Verhängnis. "Die Opfer kommen nicht durch das Beben unmittelbar zu Schaden, sondern dadurch, dass die Gebäude zusammenbrechen", sagte Klaus-Günter Hinzen, Leiter der Erdbebenwarte der Universität Köln, in einem dpa-Gespräch. Oft würden die Häuser mit massiven Betondecken gebaut, weil das Material billig sei und gegen die Hitze isoliere. "Wenn diese massiven Decken auf dünnen Wänden liegen, dann werden sie bei einem Erdbeben schnell zum Sargdeckel."

Iran zählt zu den besonders erdbebengefährdeten Zonen. Das letzte große Beben in Bam hatte eine Stärke von 6,3 auf der Richterskala. In Zarand starben 1977 bei einem Erdbeben der Stärke 6,2 nach amtlichen Angaben 520 Menschen. (APA/dpa)

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    Ein Erdbeben im Südosten des Irans forderte Dienstagmorgen mehrere hundert Todesopfer und mindestens tausend Verletzte

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