Starker Zuwachs bei Privatkrediten

22. Februar 2005, 18:04
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OeNB: 2004 um 12,4 Prozent mehr Privat­kredite als im Vorjahr - Franken-Kredite auf Rekord - Unternehmens- und Bausparkredite wachsen langsamer - Mit Infografik

Wien - Kredite an Private haben im abgelaufenen Jahr 2004 einen wahren Boom erlebt. Mit einem Wachstum von 12,4 - nach 3,5 Prozent im Jahr 2003 - waren Privatkredite maßgeblich am gesamten Kreditwachstum von 5,1 (1,6) Prozent auf 251,6 (239,5) Mrd. Euro beteiligt. Das ist die höchste Wachstumsrate seit dem Jahr 2000. "Seit Mitte 2004 war eine deutliche Belebung der Kreditnachfrage - insbesondere durch Private - zu beobachten", sagte der Direktor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Peter Zöllner, bei einem Pressegespräch am Dienstag in Wien.

Zinsen "historisch niedrig"

Laut Zöllner hängt die gestiegene Nachfrage nach Privatkrediten nicht eindeutig mit den real nur eher moderat gestiegenen Einkommen zusammen. Vielmehr habe es in den Jahren davor bei den privaten Investitionen Zurückhaltung gegeben, was zu Ersatzinvestitionen geführt habe. Auch sei die konjunkturelle Lage eher besser geworden. Viele hätten es wieder gewagt, Kredite aufzunehmen. Dazu komme noch die Zinseinschätzung. Die Zinsen seien jetzt historisch niedrig und kein Hindernis mehr. Zwei Drittel bis drei Viertel der Zunahme hängen laut Aurel Schubert, OeNB-Hauptabteilungsleiter Statistik, mit der vermehrten Aufnahme von Wohnbaukrediten zusammen.

Im Gegensatz zu den Privatkrediten stagnierten im Vorjahr die Unternehmenskredite bzw. zeigten nur ein leichtes Wachstum von 0,1 Prozent nach einem Rückgang von 1,0 Prozent in 2003. Mit Firmenanleihen hätten Unternehmen aber weitere Möglichkeiten der Fremdfinanzierung. So habe sich das Wertpapier-Umlaufvolumen 2004 um 16 Prozent erhöht, in den letzten drei Jahren sogar um 53 Prozent.

Auch die Bausparkredite wuchsen 2004 mit 1,4 Prozent deutlich langsamer als die Gesamtkredite. In den beiden Jahren davor mussten sie noch Rückgänge von 3,4 und 2,1 Prozent hinnehmen.

Neuer Rekordstand an Fremdwährungskrediten

Die Fremdwährungskredite erreichten 2004 - beinahe schon traditionsgemäß - einen neuen Rekordstand. Mit einem Gesamtvolumen von 47,8 (43,9) Mrd. Euro machten sie per Jahresende bereits rund ein Fünftel aller Privatkredite aus. Obwohl der Zinsvorteil des Schweizer Franken gegenüber dem Euro-Kredit spürbar um über 50 Basispunkte auf 1,48 Basispunkte gesunken ist, hat das Interesse nach Franken-Krediten nicht nachgelassen. Sie expandierten um 19 Prozent auf ein Rekordvolumen von 43 Mrd. Euro. Dagegen sind Ausleihungen in Japanischen Yen praktisch bedeutungslos geworden, das Volumen sank hier um 48 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro.

Durchschnitts-Kredit bei Fremdwährungen 137.000 Euro

58 Prozent der Fremdwährungskredite werden an private Haushalte vergeben, wo sie zu rund 60 Prozent zur Schaffung und Erhaltung von Wohnraum verwendet werden, d.h. in direkter Konkurrenz zu den Bausparkrediten stehen. Die meisten Fremdwährungskredite werden zwischen 100.000 und 500.000 Euro vergeben, der Durchschnitt liegt bei 137.000 Euro. "Ein für Häuslbauer plausibler Wert", so Zöllner.

Der Österreich-Anteil im Euroraum bei Franken-Krediten ist weiter gewachsen und lag per Ende 2004 bei 42 Prozent, bei Yen-Krediten bei 20 Prozent. Im Vergleich dazu: Der Marktanteil der österreichischen Banken beläuft sich auf rund drei Prozent. Weitaus stärker als die Euro-Kredite sind Franken-Wohnbaukredite auch bei Ausleihungen an private deutsche Haushalte gestiegen. Sie machten 2004 rund 800 Mio. Euro aus. Damit seien teilweise wiederum österreichische Immobilien finanziert worden, so Zöllner.

Abwärtstrend bei Kreditzinsen setzte sich fort

Trotz unveränderter Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich die Kundenzinssätze der österreichischen Banken für Haushalte und Unternehmen auch 2004 vorteilhaft entwickelt. Insbesondere bei den Kreditzinsen setzte sich der Abwärtstrend fort und lagen im Vergleich mit dem Euroraum wesentlich niedriger. Im Einlagenbereich lagen die leicht gestiegenen Zinssätze in den meisten Fällen im Euro-Schnitt, so Zöllner weiter.

Bei den Einlagenzinsen gab es zwischen Dezember 2003 und Dezember 2004 ein leichtes Plus von 0,05 Prozentpunkten, weshalb sich die Spanne zwischen Kredit- und Einlagenzinssätzen im Neugeschäft von 1,44 auf 1,25 Prozentpunkte verringerte. Im Jänner 2003 lag die Spanne noch bei 1,74 Prozentpunkten. Neue Einlagen wurden im Vorjahr in Österreich deutlich besser verzinst als im Euroraum-Durchschnitt; besonders deutlich bei über zwei Jahre gebundenen Einlagen, die in Österreich mit 2,85 gegenüber 2,32 Prozent im Euroraum verzinst werden.

Historischer Höchststand bei Pro-Kopf-Spareinlagen

Dies erkläre auch den Umstand, dass Spareinlagen mit einem Anteil von rund 65 Prozent an den gesamten Einlagen nach wie vor bei den Östereichern sehr beliebt sind, obwohl das Geld - trotz des niedrigen Zinsniveaus - vermehrt direkt auf den Gehalts- und Pensionskonten gehalten wurde, so Zöllner. Der Spareinlagenstand betrug 2004 pro Kopf 16.680 Euro, ein historischer Höchststand. Auf 84 Prozent der 23,7 Millionen Sparbücher lagen weniger als 10.000 Euro. Auf 256 liegen mehr als 3 Mio. Euro. Seit einigen Jahren gebe es aber einen höheren Zufluss in Investmentfonds als in Spareinlagen, so Zöllner.

Rund ein Achtel der Spareinlagen von rund 136 Mrd. Euro sind Bauspareinlagen. Die Bauspareinlagen wuchsen mit 4,4 Prozent schneller als die sonstigen Spareinlagen mit 2,8 Prozent. Per Jahresende gab es 5,7 Mio. Bausparverträge. Rein statistisch gesehen hatten somit rund 70 Prozent der Österreicher einen Bausparvertrag. (APA)

  • 58 Prozent der Fremdwährungskredite werden mittlerweile an private Haushalte
vergeben.
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    58 Prozent der Fremdwährungskredite werden mittlerweile an private Haushalte vergeben.

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