Cabrera Infante: Symbolfigur der Castro-Gegner ist tot

22. Februar 2005, 18:48
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Kubanischer Schrift­steller und Cervantes-Preisträger starb 75-jährig im Londoner Exil - Hauptwerk "Drei traurige Tiger"

London/Madrid - Mit dem kubanischen Autor Guillermo Cabrera Infante ist in der Nacht zum Dienstag im Londoner Exil eine Symbolfigur des Widerstands gegen das Castro-Regime und einer der bedeutendsten spanischsprachigen Literaten der Gegenwart gestorben. Cabrera Infante erlag einer Blutvergiftung, die er sich als Folge mehrerer Krankheiten zugezogen hatte. Nach Angaben seiner Familie hatte er sich kürzlich bei einem Sturz eine Hüfte gebrochen, dazu litt er an Diabetes und einer Lungenentzündung.

Einer der schärfster Kritikern des Regimes von Castro

Der seit fast 40 Jahren in Großbritannien lebende Schriftsteller hatte sich mit seinem Hauptwerk, dem Roman "Drei traurige Tiger", weltweit einen Namen gemacht. 1997 erhielt er den Cervantes-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung in der spanischsprachigen Welt. Cabrera Infante gehörte zu den schärfsten Kritikern des Regimes von Fidel Castro. "Unter der (1959 von Castro gestürzten) Batista-Diktatur, so hieß es immer, war Kuba ein Bordell für die Amerikaner. Heute ist es zu einem Puff für europäische Touristen geworden", sagte der Schriftsteller kürzlich.

Zunächst Unterstützung der Revolution

Dabei hatte der Autor, dessen Eltern zu den Mitbegründern der Kommunistischen Partei in Kuba gehört hatten, ebenso wie viele andere Intellektuelle die Revolution Castros anfangs unterstützt. Er wurde sogar Direktor des Nationalen Kulturrates und des Filminstituts. 1961 schob das Regime ihn nach Brüssel als Kulturattaché an der kubanischen Botschaft ab, nachdem er sich über das Verbot literarischer Werke beschwert hatte. 1965 überwarf er sich ganz mit Castro und ging nach London ins Exil. 1979 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an.

"Literatur war für ihn eine Bühne, auf der er die Worte zum Tanzen brachte"

Cabrera Infante ließ sich durch die politische Entwicklung in seiner Heimat nicht von den großen und kleinen Freuden des Lebens abbringen. Er liebte das Kino und die Musik, das Nachtleben und die Havanna-Zigarren. Seine Werke zeichnen sich durch eine ungewöhnliche sprachliche Brillanz aus. "Für ihn war die Literatur eine Bühne, auf der er die Worte zum Tanzen brachte", schrieb die Madrider Zeitung "El.País".

Sammlung verballhornter Klassikerzitate

Sein Hauptwerk "Drei traurige Tiger" - der Titel ist ein spanischer Zungenbrecher - befasst sich nur vordergründig mit dem Leben im vorrevolutionären Havanna. Es ist zugleich eine Sammlung verballhornter Klassikerzitate, Stilparodien und Kino-Reminiszenzen. Auf Deutsch erschienen von dem Autor außerdem die Erzählungen "Wie im Kriege also auch im Frieden", "Ansicht der Tropen im Morgengrauen", die Film-Essays "Nichts als Kino" und der ursprünglich auf Englisch verfasste Roman "Rauchzeichen". (APA/dpa)

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