Mordprozess gegen Wiener Rathaus-Mitarbeiter

22. Februar 2005, 18:05
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Pressesprecher erwürgte Ex-Freundin - Verhandlung auf 7. April vertagt

"Ich weiß nicht, was in mir vorgefallen ist. Tausende Male, abertausende Male, jede Nacht denke ich an diese Situation. Ich kann es Ihnen nicht sagen, warum ich sie hergezogen, warum ich sie gewürgt habe", erklärte Martin W. (39) am Dienstag im Wiener Straflandesgericht. Der ehemalige Pressesprecher im Wiener Rathaus musste sich wegen Mordes an seiner Ex-Freundin Gudrun P. (36) vor Geschworenen verantworten. "Es war noch sehr viel Restliebe vorhanden", betonte er. Die Verhandlung wurde auf 7. April vertagt.

Der Mann hatte die Frau im Mai 2004 kennen gelernt. Man war einander sympathisch, "und dann ist die Liebe immer größer und größer geworden", erzählte der Enddreißiger. Die Akademikerin zog alsbald bei ihm ein: "Bis August war alles eitel Wonne. Sie war eine wunderschöne Frau. Sie hatte immer genügend Verehrer, die versucht haben, sie für sich zu gewinnen."

Ganz so harmonisch dürfte die Beziehung aber nicht verlaufen sein. Ihre Freundinnen hatten den Eindruck, dass für Gudrun P. grundsätzlich mehr die Wohn- als die Lebensgemeinschaft im Vordergrund stand. Schließlich bekam auch Martin W. mit, dass es offensichtlich bereits einen anderen Mann gab, als sie ihn wiederholt mit Markus ansprach: "Wenn jemand um acht Uhr in der Früh anruft und dann ein Markus ist, denke ich natürlich. Da bin ich stutzig geworden."

"Affektsturm"

Am Morgen des 27. September 2004 erwürgte er sie, nachdem die Frau ihn angeblich als "krank" bezeichnet und gesagt hatte: "Ich hab' dich in meinem Umfeld schon erledigt." Gudrun P. wollte endgültig ausziehen und hatte am Vorabend all ihre Sachen gepackt. Als sie sich in der Küche Kaffee kochte, "beschloss der Beschuldigte, sie umzubringen. Er legte seinen Arm um den Hals seines völlig überraschten Opfers, bildete mit dem anderen Arm einen Hebel und übte durch diesen Unterarm-Würgegriff massive Gewalt gegen den Hals von Gudrun P. aus, was schwere innere Halsverletzungen zur Folge hatte", so die Anklageschrift.

Verteidiger Ernst Schillhammer machte einen "Affektsturm" geltend und argumentierte mit Totschlag. Gudruns Äußerung, ihn erledigt zu haben, habe ihn geschockt, bestätigte auch Martin W. Da ihr Vater ein hoher AK-Funktionär ist und über gute Kontakte ins Rathaus verfüge, hätte er berufliche Schwierigkeiten zu fürchten gehabt.

Laut Gerichtsmediziner Johann Missliwetz tötete der 39-Jährige die Frau mit einem Judo-Griff, der auch bei Spezialeinheiten gelehrt wird. Der Würgeakt nahm drei bis fünf Minuten in Anspruch. Der Frau gelang es, sich ein Mal noch kurz zu befreien, worauf der Täter "nachgriff" und weiter zudrückte.

Es habe keinen Streit gegeben

Martin W. dürfte sich gewundert haben, weshalb zwei Weingläser und zwei Teller in der Spüle standen, wo er doch erst spätnachts nach Hause gekommen war und die Küche nicht benützt hatte. Auf seine Frage, ob sie Besuch gehabt habe, soll Gudrun P. geantwortet haben, sie benütze immer zwei Teller.

Diese Reaktion ärgerte Martin W. Obwohl er betonte, es habe keinerlei Streit gegeben ("Ich habe natürlich nicht die Konfrontation gesucht, weil meine Therapeutin hat mir mitgegeben, dass in die Beziehung von jedem sehr viel Liebe mit reingegeben wurde und wir die normal beenden sollten"), kam es in seiner Wohnung in Wien-Brigittenau wahrscheinlich zu einer Auseinandersetzung. Unmittelbar vor ihrem Tod schickte Gudrun P. nämlich einer Freundin noch eine SMS: "Jetzt dreht er ganz durch! Jetzt ist er deppert!" (APA)

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