"Harte Männer" sind out

22. Februar 2005, 12:03
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Grazer Forscher analysiert fiktive "Mannsbilder" in US-Filmen

Graz - "Harte Männer" seien in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht mehr gefragt. Feministische Kritik sowie soziale und ökonomische Veränderungen hätten das traditionelle Männlichkeitsbild immer mehr angekratzt. Eine Entwicklung, die sich auch im Film beobachten lasse, fasst der Forscher Klaus Rieser vom Institut für Amerikanistik der Universität Graz seine Untersuchungen der neuen Leinwand-"Helden" zusammen.

Aufweichen der Tradition

Einerseits würden Filme das Denken in einer Gesellschaft beeinflussen, anderereseits gebe es auch umgekehrt Einflüsse, meint Rieser. In den 80er-Jahren hätte beispielsweise "Rambo" die Massen ins Kino gezogen: "Ein Mann als Sinnbild für Stärke, Individualität und Unabhängigkeit". Heute würden eher "softere" Typen wie Johnny Depp die Kinokassen klingeln lassen. "Im Film hat ein Wandel insofern stattgefunden, als das traditionelle Männerbild immer mehr aufweicht", erläutert der Amerikanist. So gebe es nunmehr verschiedene Rollenbilder und einen heterogeneren Begriff des Männlichen, so Rieser, der über ein Schrödinger Auslandsstipendiums zwei Jahre an der University of California geforscht hat. Seine jüngsten Ergebnisse erscheinen demnächst in einem deutschen Verlag.

Normierungen

Rieser beschäftigt sich vor allem mit jenen Männern im Film, die von der so genannten Norm abweichen und im traditionellen Sinn nicht als "richtige Mannsbilder" gesehen werden: "Das können jugendliche und alternde Männer, Afro-Amerikaner oder Homosexuelle sein. Dazu untersucht er vorwiegend neuere Filme, an denen er die Kontinuität wie auch die Veränderung von Geschlechternormierungen analysiert. Es zeige sich dabei, dass Filme ganz unterschiedliche Annäherungen an die weiße, heterosexuelle, mittelständische Männlichkeit an den Tag legen.

Identifikation

Rieser hat auch untersucht, wie sich Frauen und Männer mit den dargestellten Bildern identifizieren können. Letzteren stünden eine größere Auswahl an "Helden" zur Verfügung, während die Protagonistinnen häufig in einer passiven oder gar Opferrolle eingesetzt werden: Frauen würden sich daher zunehmend mit einer männlichen Position identifizieren. (APA)

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