Haradinaj: Rücktritt im Falle einer Anklage wegen Kriegsverbrechen

23. Februar 2005, 11:26
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Kosovarischer Ministerpräsident will als Privatmann nach Den Haag gehen, wenn Anklage gegen ihn erhoben werden sollte

Belgrad/Pristina - Der neue Kosovo-Regierungschef Ramush Haradinaj werde von seinem Amt zurücktreten, sollte vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag tatsächlich Anklage gegen ihn erhoben werden. Das berichtete die in Pristina erscheinende Tageszeitung "Koha Ditore" am Dienstag unter Berufung auf den luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn. Der Politiker war erst im Dezember das Amt des Ministerpräsidenten der Provinz angetreten.

UNO-Missionsleiter im Kosovo "Sören Jessen-Petersen hat uns darüber informiert, dass Haradinaj ihm gegenüber erklärt habe, dass er im Falle einer Anklage durch das UNO-Kriegsverbrechertribunal zurücktreten werde, um als Privatperson und nicht als Regierungschef nach Den Haag zu gehen," wird Asselborn von dem Blatt zitiert.

UCK-Kommandant

Haradinaj war während des Kosovo-Krieges (1998/99) einer der Kommandanten der albanischen "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) im Westkosovo. Ihm werden von Belgrad Kriegsverbrechen vorgeworfen. Die höchsten serbischen Amtsträger haben jeden Kontakt mit Haradinaj ausgeschlossen, solange die Vorwürfe nicht geklärt sind.

"Koha Ditore" berichtete weiter, dass Haradinaj zusammen mit dem einzigen serbischen Minister in seiner Regierung, Slavisa Petkovic, zuständig für Flüchtlingsrückkehr, am Montag in Mitrovica, ein erstes gemeinsames Essen für albanische und serbische Medienvertreter veranstaltet habe. Nach Meinung des Blattes handelte es sich um ein außergewöhnliches Ereignis. Haradinaj sei bemüht gewesen, "alle zu vereinen, da das Kosovo auch allen seinen Bürgern gehört," unterstreicht "Koha Ditore". (APA)

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